Druckschrift 
Hitler-Geißel über Westfalen : eine Bilanz der Nazi-Zeit / Dr. Josef Hundt, Heinz Meyer-Wrekk
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen

In dieses dunkle Kapitel menschlicher Vertiertheit, das für immer wie ein Schandmal der deutschen Geschichte aufgebrannt ist, ge­hört auch die Tatsache, daß von der NSDAP . Mordlisten auf­gestellt wurden. So wurde von der Gestapo in Dortmund eine Liste aufgestellt, die über 300 Namen enthielt. Karfreitag 1945, einige Tage vor dem Einmarsch der alliierten Truppen, geschah das Grauenhafte. Im Romberg- Park wurden über 300 Menschen von den Gestapo - Barbaren hingemordet. Nur 41 Leichen konnten später erkannt werden, bei den anderen war es unmöglich. Diese Männer, welche die Fackel ihres politischen Glaubens durch dunkelste Nacht getragen hatten, ließen ihr Herzblut welch tragisches Ver­hängnis noch in letzter Stunde. Es gab ferner noch Mordlisten in den Kreisen Meschede , Siegen, Brilon , Iserlohn und Soest . Es war nicht möglich, die Namen der Personen festzustellen, die er­mordet werden sollten, da die Listen rechtzeitig von den Dienst­stellen der Partei verbrannt wurden. 36 Männer aus Driburg und Lügde sollten gleichfalls umgebracht werden.

-

-

Noch ein Weiteres sei erwähnt: Wer alt war, wer gebrechlich wurde, wer vielleicht in die Dunkelheit und Verwirrung des Gei­stes hineinschritt, der hatte sein Leben verwirkt, denn er konnte ja bei der materialistisch biologischen Grundauffassung der Nazisten nicht mehr schöpferisch wirken. So sind auch in Westfalen Hunderte von Menschen einem qualvollen Tode zugeführt worden. Sie hatten keine Daseinsberechtigung mehr, wurden als biologisch nutzlos be­trachtet und somit zum großen Schutthaufen geworfen. Der Mensch wurde wie eine Ware, wie ein Tier bewertet. 3377 Kranke die sich in den Provinzialheilanstalten befanden, wurden verschleppt. Von dieser Anzahl sind 992 hingemordet worden. Sie starben durch Vergasung, durch Folterung. Unbekannt ist das Schicksal der übrigen, die irgendwo in Deutschland untergebracht worden waren. Buchenwald , Belsen, Mauthausen , es sind Namen deutscher Orte, die heute mit Abscheu in der ganzen Welt genannt werden und für das Bewußtsein der Menschheit zum Inbegriff sadistischen Blut­rausches geworden sind, es sind Namen deutscher Orte, an denen die Bestie in der Menschennatur Folter- und Mordmethoden er­sann, die weit über das hinausgehen, was eine krankhaft überreizte Phantasie sich jemals vorzustellen vermag. Es sind Orte des Grauens. Welch ein Abgrund trennt sie von einer Stadt im grünen Herzen Deutschlands , von Weimar , in dem einst das Doppelgestirn Goethes und Schillers aufstieg und mit dem Glanze seiner edlen Menschlich­keit das Erdenrund erleuchtete.

Dr. J. H.

1

20