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Hitler-Geißel über Westfalen : eine Bilanz der Nazi-Zeit / Dr. Josef Hundt, Heinz Meyer-Wrekk
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Marsch, marsch...., tönt wieder die schreiende Stimme des SS-Mannes, und der Zug setzt sich in Bewegung, nimmt Laufschritt an und verschwindet vom Platz.

Dies eine Szene aus der trostlosen Misere des Konzentrationslagers. Wieviele aufrechte deutsche Männer haben dort geschmachtet, Jahr für Jahr, Gefangene der Nazi-Verbrecher, Menschen, die in ihrem ganzen Leben nie mit dem Gesetz in Berührung gekommen waren, die nur deshalb hinter dem elektrisch geladenen Draht riesiger Läger darben und leiden mußten, weil sie eine andere Meinung als die Machthaber vertraten und weil sie den Mut aufbrachten, diese andere Auffassung vor den Schergen der SS und SA zu verteidigen.

Auch tausende Männer des Westfalenlandes haben ihren Bekenner- mut mit jahrelanger Passion in den Todesmühlen der Läger gebüßt. 12 177 westfälische Männer, Kämpfer für die höchsten Güter der Menschheit, wurden verhaftet, wurden hinter Kerkermauern ge- schleppt und erlitten in der Hölle eines der vielen Konzentrations- läger bittere Mühsal, wurden dort geschunden, gequält, gefoltert. Auch Geistliche, die sich offen oder versteckt gegen die Politik der Nazi-Tyrannei zur Wehr setzten, wurden von Gestapo -Agenten oder SS -Männern ergriffen, auch sie erfuhren an ihrem Körper die viehische Unduldsamkeit der nazistischen Brutalität, 172 katholische Priester und 96 evangelische Pfarrer wurden festgesetzt und somit zu Märtyrern ihrer Weltanschauung.

7785 ehemalige Häftlinge konnten bisher in Westfalen ermittelt werden. Sie gehören zu jenen Glücklichen, die den Tag der Befrei- ung durch alliierte Truppen erleben durften und nun wieder am Aufbau eines neuen, besseren und schöneren Deutschland mithelfen können. Was ist mit den übrigen? Dunkel und verhangen scheint ihr Schicksal. Vielleicht gehören sie in die Armee jener unzähligen Opfer, die in den Konzentrationslägern einem grausamen Ende entgegengegangen sind, die dort eines Tages blutüberströmt unter den Peitschenhieben oder Pistolenschüssen eines SS-Henkers zu- sammensackten und von den Tafeln der Menschheit ausgelöscht wurden, die dort in die Gaskammern geschickt wurden oder irgend- einem SS -Arzt als lebendes Versuchsobjekt eines wissenschaftlichen Experimentes dienten und dabei unter grausamer Tortur zu- grunde gingen. Nur eines ist gewiß: 341 Fälle sind bislang in der Provinz bekannt geworden, in denen die Asche verbrannter KZ- Häftlinge den Angehörigen zugeschickt wurde. 341 Fälle sind ver- brieft. Schweigen lastet über dem Passionsweg der übrigen. Wird es jemals aufgeklärt werden?

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