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Hitler-Geißel über Westfalen : eine Bilanz der Nazi-Zeit / Dr. Josef Hundt, Heinz Meyer-Wrekk
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Paderborn 789. Zahlen, nüchterne Zahlen! Aber wievie! Tränen, wieviel zerstörtes Familienglück, wieviel brutale Zertram­pelung blühender Lebenshoffnungen verbergen sich hinter dieser Statistik!

Wie werden die Familien durch den von Hitler heraufbeschwo­renen Krieg auseinandergerissen! Die Kinder werden von ihren Eltern getrennt und kommen irgend wohin, in ferne Bezirke, und als der Zusammenbruch da ist und die Front in wildem Un­gestüm über die östlichen und südlichen Provinzen des Reiches dahinrollt, da stehen Tausende kleiner Jungen und Mädel allein in der Welt, verwahrlost, einsam, verlassen. Und es gibt niemanden, der sich ihrer in dieser chaotischen Wirrnis annimmt, und viele, viele der unschuldigen Kinder gehen zugrunde, sterben auf den Landstraßen eines trostlosen Rückzugs der geschlagenen Wehr­macht. Allein aus Westfalen wurden 217 737 Kinder ver­schickt. Sie kamen nach Bayern , Thüringen , Ungarn , Ostpreußen , um nur einige der Landschaften zu nennen, sie kamen dorthin, wo später mörderischer Kampf tobte und wo so viele für immer ver­schollen blieben. Ihre Spuren sind verwischt und verweht. Wo mögen so viele der Kleinen zugrundegegangen sein? Kein Mensch weiß von ihnen zu berichten, von dieser erschütterndsten Kinder­tragödie aller Zeiten.

Unermeßlich ist der materielle Schaden, der durch diesen totalen Krieg in der westfälischen Heimat angerichtet wurde. Auch hier zum Beweis einige statistische Angaben: Insgesamt wurden in West­falen 254 000 Wohnungen völlig zerstört. Eine Viertel­million westfälischer Familien büßte somit all das ein, woran das Herz des Menschen nun einmal hängt, Möbel, Kleidung, Hausrat und alle die anderen Dinge, mit denen so viele persönliche Erinne­rungen aufs engste verknüpft sind. 95 000 Wohnungen erlitten. schweren Schaden, 111 000 Wohnungen trugen mittleren Schaden davon, und 205 000 Wohnungen wurden nur leicht getroffen. Von den 1 518 000 Wohnungen, die vor dem Krieg 1939 in Westfalen gezählt wurden, blieben nur 853 000 von der Zerstörung verschont. Also die Hälfte des Wohnraumes mit allem Zubehör wurde einer sinnlosen Vernichtung preisgegeben.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der riesenhaften Verlust­bilanz, die in Westfalen aufgemacht wird. Das ist eines der vielen erschütternden Dokumente des totalen Krieges, ein weiterer Bei­trag zum dunklen Kapitel der verbrecherischen Politik der Nazis, die in ihrem Endziel darauf hinaus lief, das deutsche Volk seinem Ruin entgegenzuführen. Welch ein grauenhaftes Verhängnis! Welch eine Schuld der gewissenlosen Verführer! Dr. J. H.

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