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Hitler-Geißel über Westfalen : eine Bilanz der Nazi-Zeit / Dr. Josef Hundt, Heinz Meyer-Wrekk
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Maschinen sein. Der Mond bricht hell aus schnell wandernden Wolkenketten. Eine ganze Stadt ist in unterirdischem Aufruhr. Am Horizont leuchtet mit einem Male eine rote Scheibe auf, dann eine grüne. Die Bomber scheinen zu kreisen und ein Ziel zu suchen. Und plötzlich gehen am nächtlichen Himmel Hunderte weißgelber Lichter auf. Leuchtkugeln, Leuchtschirme erstrahlen in blendender Helle. Wie Trauben hängen sie aus den Wolken herab und hüllen die ganze Szenerie in magischen Tagesschein. Es ist ein schaurig schönes Bild, ein Schauspiel von phantastischen Ausmaßen, ein Feuerwerk von flutender Fülle, eine Illumination, wie sie nur eine raffinierte Technik zu erzeugen vermag.

Und dann prasselt das Verderben herab. Spreng- und Brandbomben in ungeheurer Zahl. Die Erde bebt von der Masse der Einschläge. Dumpfe, krachende Detonationen. Die Hölle hat ihre Schlünde aufgetan, die Unterwelt ist aufgebrochen. Die apokalyptischen Reiter jagen über die todgeweihte Landschaft dieser Stadt hinweg. Gebäude, die für Jahrhunderte errichtet zu sein schienen, stürzen mit wütendem Getöse zusammen, Häuser sinken in Schutt und Asche, meterdicke Mauern bersten und begraben eine ganze Welt unter ihren Trümmern. Es ist ein Inferno, als ob die Stunde des Untergangs dieser Erde angebrochen sei. Was kluger Menschengeist in vielen, vielen Jahren ersonnen, was fleißige Hände in mühseliger Arbeit geschaffen haben, es sinkt darnieder, wird zerstampft, auf­gewühlt und vernichtet. Und wilde Feuersbrünste fressen gierig kost­bares Gut, hohe Flammen prasseln und züngeln empor. Und immer neue Einschläge, immer weitere Einstürze, immer größer wird das Werk der Zerstörung. Und als nach einer Stunde des Angriffs die letzten Bomber abfliegen, da liegt eine einst blühende Stadt wie ein riesiges Trümmerfeld da, lichterloh brennend, und dunkler Rauch und Qualm ziehen über Straßenzüge, Fabrikanlagen, Wohnungen. Der Fährmann des Todes hat in dieser Nachtstunde reiche Menschen­fracht durch Bombenhagel und Phosphorregen an das jenseitige Ufer zu rudern.

Das ist der totale Krieg, den Hitler wollte, den Goebbels propa­gandistisch inszenierte und der das deutsche Volk so unendliche Opfer kostete.

Zahlen mögen das trostlose Ausmaß dieser Tragödie erhellen. In Westfalen wurden 36 676 Menschen durch den Bombenkrieg getötet. Von dieser Summe entfallen auf Dortmund 5348, auf Bochum 3585, auf Gelsenkirchen 2004, auf Hagen 1512, auf Bielefeld 1349, auf Münster 1141, auf Wanne- Eick el 1055. Gladbeck hatte 913 Todesopfer durch Luftangriffe zu beklagen, Minden 875 und

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