Heimat ließen ihr Leben, sie starben für Hitler und seine Verbrecher, sie wurden für die Idee eines Narren und Volksbetrügers zur Schlachtbank geführt. 300 000 Menschen der roten Erde sanken in ein frühes Grab, sie färbten mit ihrem Blut die unendlichen Schneefelder Rußlands , sie wurden verscharrt in den heißen Wüsten Afrikas , fanden an den Wegrändern der Normandie ein ewiges Ruhebett und wurden umspült von den Fluten des Meeres. 300 000 westfälische Männer kehren nie wieder heim. Eine alte Mutter irgendwo im Münsterland legt mit zitternden Händen den letzten Brief ihres Sohnes in ihr tägliches Gebetbuch, eine junge Braut in einer Stadt des Ruhrgebietes umkränzt das Bildnis des verlorenen Geliebten mit zärtlichem Immergrün, eine Frau in einem Dorf der Mindener Landschaft weint mit ihren zwei kleinen Kindern um den Vater und Ernährer, der nie wieder über die Schwelle tritt. 300 000 Westfalen werden in ihrer Heimat betrauert, sie sind ewige Zeugen des Hitlerkrieges. Dabei ist diese Ziffer noch nicht endgültig. Die als vermißt gemeldeten Soldaten sind in der amtlichen Summe nicht enthalten, und es ist leider zu befürchten, daß eine hohe Zahl der Vermißten nicht mehr unter den Lebenden weilt. Und dann die riesige Summe derer, die als Krüppel heimkehrten! Mindestens 200 000 Männer und Söhne der westfälischen Heimat erlitten mehr oder weniger schwere Beschädigungen und werden Zeit ihres Lebens an den Folgen zu tragen haben. 417 Menschen verloren ihr Augenlicht, 5130 Soldaten ihren Arm. 10 235 Westfalen mußte ein Bein abgenommen werden, und in 901 Fällen kam zum herben Verlust des Armes auch noch die Amputation des Oberschenkels. Auch hier liegen die endgültigen Ergebnisse noch nicht vor. Wieviel Leid, wieviel Kummer, wieviel Entsagung und Verzicht auf die selbstverständlichen Güter des Lebens stecken hinter diesen Ziffern. Sie sind eine ständige Anklage gegen das Terror- Regime der Nazis, sie sind ein erschütternder Ausschnitt aus der riesigen Bilanz der Hitler - Zeit.
Dr. J. H.
Städte im Bombenhagel.
Im Sportpalast brüllt und tobt die Masse. Goebbels inszeniert auf der Bühne der politischen Propaganda ein tolles Spektakelstück, er peitscht die Leidenschaften, rüttelt die Instinkte wach, er zieht alle Register seiner teuflischen Verführungskünste. Und wo der Beifall nicht den erwünschten Stärkegrad erreichen sollte, da hilft die bestellte Claque nach. Da sitzen sie vor dem Rednerpult, die braunen
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