immer mehr Opfer, da der Gegner jeden Tag stärker wird. Stalin grad wird zum blutigen Fanal nahenden Untergangs, Afrika wird auch ein Meilenstein auf dem Weg ins Verderben. Der Krieg, bisher ein zusammenhängendes Band geschlossener strategischer und taktischer Operationen, löst sich in Einzelabschnitte auf. Jedes Bild umschließt eine Welt des Leids, jede Szene wird zum Denkmal des Kampfes, jedes Einzelschicksal zum Gleichnis des Opfers, das Millionen bringen
Irgendwo in Rußland . Im Bunker hocken sie, dicht um den Ofen gedrängt. Sie träumen von daheim, sie schreiben, sie lesen und schlafen, je nach Bedürfnis. Alarm! Eilige Stimmen, Kommandorufe, alles wüst durcheinander. Wie von einem Tier angefallen, so schnellen sie empor, greifen nach Gasmaske, Gewehr, Munition, Stahlhelm. Draußen, in der Finsternis der Nacht, stoßen sie aufeinander, drängen, hasten vorbei, ein jeder zu seinem Platz, wo er, Gewehr im Anschlag, liegen bleibt. Plötzlich eine rote Leuchtkugel_geht hoch und hüllt die unermeßliche Landschaft in ein feuriges Tuch. Die Kameraden, die noch vorüberhuschen, sind wie blutende Schatten. Ein zweites Feuersignal wird in die eisige Winternacht geschossen, es sprüht in tausend grünen Punkten und Sternen, erhellt die winterliche Szenerie mit fahlem Schein, und die Schneedecke der unendlichen Weite gleicht einem Leichentuch. Gespensterhaft, unheimlich!
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Da die ersten Geschosse! Ein Feuerschlag der russischen Artillerie. Wie Koffer sausen sie über das Geviert der Gräben dahin. Dumpfe Detonationen. Die Einschläge liegen zu weit. Granatwerfer speien ihre Eisen hinaus, Maschinengewehre belfern, und eine Stalinorgel heult durch die aufgescheuchte Nacht. Es prasselt, donnert, schlägt ein. Grollend dumpf, dann wieder nah, unmittelbar gefährlich! Die Hölle ist losgegangen. Ein Hexentanz! Erdfontänen spritzen hoch. Dröhnender Einschlag mitten im Graben. Leiber werden auseinandergerissen. Arme, Beine fliegen durch die Luft, Köpfe werden vom Rumpf getrennt. Tödliches Eisen zerfetzt weiche Körper, bohrt sich mörderisch in sie hinein. Und dies alles für Hitlers Krieg! Und dann kommen sie heran, die Russen, mit einem wilden Hurräh. Und wieder gibt es geisterhafte Leuchtkugelsignale, blutendes Rot und fahles Grün. Und dann stoßen sie in den Graben, in dem der Tod schon so grauenhafte Ernte gehalten hat. Was nützt denn Widerstand! Wo ein Russe fällt, stehen zwanzig wieder da. Der Feind ist wie eine Lawine, die heranrollt, dumpf, grollend, wie eine Dampfwalze, die unerbittlich ihrem Ziel zustrebt, unheimlich und sicher.
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