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Hitler-Geißel über Westfalen : eine Bilanz der Nazi-Zeit / Dr. Josef Hundt, Heinz Meyer-Wrekk
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Auch die Söhne Westfalens marschieren in den Kolonnen, kämpfen für Hitler auf den Schauplätzen Europas . Noch jubeln Verblendete, Irregeführte dem Diktator zu, sehen Erfüllung romantischer Wunsch­träume, erblicken phantastische Möglichkeiten und zählen nicht die Opfer, die bislang gebracht worden sind.

Juni 1941! Hitler greift Rußland an. Er tut das Letzte, das Äußerste. Maßẞlos in seinen Zielen, überheblich in seinen Ansprüchen, irrsinnig in seinen Plänen, wagt er jetzt nicht nur den Zweifrontenkrieg, den er bislang immer verdammte, sondern unternimmt auch den Angriff auf die mächtigste Landmacht der Erde, auf das Riesengebiet der Sowjet- Union.

Das Schicksal holt langsam zum Schlag gegen Nazi- Deutschland aus. Die gegnerische Welt erholt sich vom ersten Schrecken, vom lähmen­den Entsetzen. Die Demokraten beginnen fieberhaft zu rüsten, um den Friedensbrecher zur Strecke zu bringen. Sie sind wie ein eherner Block zusammengeschweißt. Schon speien ihre Fabriken Munition, Panzer, Flugzeuge. Mit Hochdruck wird gearbeitet. Die ganze Welt hat sich im Kampf gegen Hitlers Wahnsinn verbündet. Die verein­ten Nationen werden immer mächtiger. Der Krieg wird härter, brutaler, unerbittlicher.

Die Weltgeschichte wird für Deutschland zum Weltgericht.

Deutsche Soldaten marschieren nach Rußland . Rundfunk, Film und Presse feiern diesen eiligen Siegeszug, der nur ein Vormarsch ins Niemandsland ist. Der erste Winter kommt. Erste Katastrophe Hitlers und seiner Armee. Vor Moskau stoppt der Siegeszug. Dort fahren sich die Panzer fest. Kein Ol, keine schützenden Uniformen, keine Wolldecken, keine Pelze. Der russische Winter ist keine Legende, ist rauhe, grausame Wirklichkeit. Die Kälte ist unerträglich. Das Heer ist nur erbärmlich ausgerüstet, ist gar nicht imstande, eine solche Witterung zu ertragen. Die Strapazen wachsen ins Unermeß­liche. Die Front wird zurückgenommen. Düstere Nachrichten sickern durch, erschüttern den Glauben an die Allmacht des ,, Führers". Die Heimat, zu großem Teil umnebelt vom Weihrauch der Propaganda, wird skeptisch. Die Schar derer, die Hitler immer für eine Ausgeburt der Hölle hielten, die in ihm immer den bösen Dämon des deut­ schen Volkes sahen, bekommt Zuläufer. Der Londoner Rundfunk wird von immer weiteren Kreisen abgehört.

Und dennoch... Der Krieg geht weiter. Er hat das Schillernde seiner romantischen Eroberungszüge verloren, er hat den Glanz seiner Parademontur im Dreck der russischen Landschaft eingebüßt. Sein Antlitz schaut jetzt grau, alltäglich, nüchtern aus. Er fordert

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