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Die Flucht : als KZ-Flüchtling durch fremdes Land / Willy Kreuzberg
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mir doch nicht ums Herz. Zuviel hängt für mich von die­sem Gang ab. Wird meine Aufnahme bei den Amis die­selbe sein, wie ich sie bisher bei den Franzosen hatte? Und wenn nicht, was dann? Gewiß kann ich zurück nach Hasnon, aber gedient ist mir nicht damit.

Einem amerikanischen Leutnant werde ich vorgestellt, der glücklicherweise deutsch und französisch so gut wie englisch spricht. Nach kurzem Vortrag verabschiedet sich der Polizist, mich zurücklassend.

,, Der Beamte hat mir in kurzen Zügen mitgeteilt, wer Sie sind, und welchen Wunsch Sie haben." Eindringlich mu­stert mich der Leutnant. ,, Was sind Sie von Beruf?" Ich schildere, was hinter mir liegt, und warum ich recht schnell zur Heimat zurück will.

,, Na schön, ich habe nichts zu sagen. Aber zur Mittags­zeit fahren wir hinaus nach Thermal. Es wird dort ein Lager aufgebaut für die zu erwartenden Fremdarbeiter aus Deutschland . Wir fangen sie in Durchgangslagern auf und befördern sie in ihre Heimat weiter. Dort in Thermal stelle ich Sie unserem Kapitän vor. Ich glaube sicher, daß Sie mitgenommen werden. Ihren Händen nach zu urteilen, können Sie auch arbeiten. Jetzt wollen wir erst frühstücken." Während wir am Tisch sitzen, erscheinen noch einige Soldaten und französische Mä­dels, die zum Detachement gehören. Ich verstehe einiger­maßen die englische Sprache, aber an die amerikanische Aussprache muß ich mich doch erst gewöhnen. Das be­greife ich allerdings aus den Zurufen, daß ich tüchtig zu­greifen soll. Und ich lasse mich nicht nötigen. Ist es ja das erste Mal, daß ich auf ,, amerikanische Art" früh­stücke.

Eine Stunde später besteigen wir die bereitstehenden Wagen zur Fahrt nach Thermal. Unterwegs ist noch eini­ges zu erledigen und auch ich frage mich zu einer ent­fernteren Straße durch, um bei dem Photographen Paẞ­bilder abzuholen, die ich in der Frühe anfertigen ließ. Als ich das Atelier verlasse, droht eine neue Verhaftung. Wie schon so oft, hatte ich mich auch hier verdächtig ge­macht, weil ich eben die Sprache nicht beherrschte. Ein Glück ist es für mich, daß der amerikanische Leutnant vorbeigeht. Schnell ist die Lage geklärt, und endgültig gehen wir auf Fahrt nach Thermal.

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