an, hier ein Italiener, der vor dem Kriege einen Hand- wagen besaß. Heute ist er, durch Lieferungen an die deutsche Wehrmacht , Millionär. Kollaboratisten sind ein- gesperrt. Auch Franzosen , die bei der SS und Feld- gendarmerie Dienst taten. Bei der augenblicklichen Ver- wirrung dachten sie, wir würden sie nicht finden. Wir haben sie gefunden. Wir haben auch sogenannte„Volks- deutsche‘ hier. Menschen, die zu jedem Dienst für die Okkupanten bereit waren. Dort in der Ecke stehen einige Frauen mit hübschen Kopftüchern. Französinnen, denen wir die Haare abgeschnitten haben, weil sie sich mit deutschen Soldaten einließen!“
Immer länger, immer erstaunter wird mein Gesicht. ‚Ja, sind Sie denn wirklich der Meinung, daß ich hierher gehöre? Es sind doch alles Leute, die mit ihrer Finstel- lung auch kontra zu mir stehen. Wenn ich mit denen gleichgestellt werde, so bedeutet das für mich tatsächlich eine Internierung. Vielleicht sogar auf unbestimmte Zeit.“ „Nein, Sie sind hier zu Ihrer eigenen Sicherheit. Sie haben alle Freiheiten. Einen Appell gibt es für Sie eben- so wenig wie Arbeitszwang. Sie können sich in dem Ge- bäude und auf dem Gelände frei bewegen. Nachts wird auch Ihre Zelle nicht verschlossen sein.“
„Aha, doch Zelle.“ Mit einem bedauernden Achselzucken erklärt er mir, daß andere Räume nicht vorhanden sind. Während unserer Unterhaltung beobachte ich die Gesich- ter der Anwesenden und bemerke, daß ihre Blicke mir gegenüber immer feindseliger werden. Mögen sie, wenn es not tut, werde ich mich meiner Haut zu wehren wissen. Seit vier Tagen versitze ich nun hier die Zeit. Es ist ein angenehmes Nichtstuerleben. Und doch bin ich absolut nicht befriedigt. Was nützt es mir, daß ich in der Sonne sitzen kann, während die anderen arbeiten müssen. Die Ungewißheit, was mit mir wird, zehrt an mir. Dazu kommt, daß Morivals nicht wissen, wo ich geblieben bin. Ob sie überhaupt eine Nachricht erhielten? Und in wel- cher vermutlich entstellten Form wurde sie überbracht? Hoppla! Vielleicht habe ich jetzt Glück. Eben sehe ich den Chef der Spezialabteilung über den Hof kommen. War er damals in der Lage, mir sofort ein Dokument ausstellen zu lassen, warum soll er nicht veranlassen können, daß ich hier wieder rauskomme.
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