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Theresienstadt : Gedichte / von Gerty Spies
Entstehung
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29
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WINTER 1943/44

In einer Baracke hausen wir alle

Da hat uns der Wirbel zusammengeweht! Da dröhnen die Tritte mit hölzernem Halle, Sodaß man das eigene Wort nicht versteht.

Da stehen die Bäume wie tote Gespenster

Und strecken zum Himmel ihr wirres Geäst.

Da sickert der Regen durchs klappernde Fenster, Da surrt ein Gedräng wie im Hornissen-Nest.

Da stöhnen die Kranken, da keifen die Alten, Da stampfen die Stiefel durch wässrigen Kot. Da läßt sich vor Kälte der Löffel nicht halten, Da packt uns das Fieber! Da streift uns der Tod.

Da kauert das Heimweh bei Nacht in der Ecke, Da frieren im Auge die Tränen zu Eis, Da glühen die Bilder aus finstrem Verstecke

Und sengen das Herz, das von Glück nichts mehr weiß.

Fern rauschen die Wälder, fern lachen die Seen, Die Sonne verschwendet ihr mütterlich Licht.

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