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Zum Scherz griff er nach den hohen Röhrenstiefeln, die blank geputzt am Boden standen. Die Größe betrachtend, setzte er hinzu: ,, Wie für mich gearbeitet, was willst du mehr?- Jedenfalls bin ich dir für den Hinweis dankbar, denn man weiß ja nie, was bei uns noch kommt
,, Na, lieber nicht, Obercapo!" lachte Manz und nahm ihm die Stiefel aus der Hand. ,, Doch jetzt komm' wieder nebenan, vielleicht hören wir jetzt schon etwas von Wert!"
Sie stellten sich an den Apparat. Nach einigen Minuten meldete der Londoner Sender tatsächlich eine Ansprache des deutschen Nationalausschusses, bei dem Heinrich Mann in zündenden Worten sich an das deutsche Volk wandte und es aufforderte, das Nazijoch abzuwerfen nur leider, wie Bert sich im stillen sagte: nicht den Weg angab, wie dem raffiniert ummauerten Bau der Zwingburg vom Einzelnen, der diesen Aufruf im geheimen hörte, beizukommen wäre... eben das Tragische des deutschen Loses! Hernach folgten noch Meldungen von rein temporärer Bedeutung.
Gewiß hatt sich Bert aufrichtig auf den Nervenkitzel einer solchen Übertragung gefreut, die er schon so lange entbehren mußte nun saß er aber wie apathisch neben der leise gemurmelten Ansprache, so vollendet sie gewiß lautete, ohne mit Herz und Sinnen dabei zu sein die Geschichte mit der Fluchtidee in Verbindung mit jener vakanten Uniform und dem Mast des Stacheldrahtes an der Ecke der Lagerstraße ging ihm wie ein Mühlrad im Kopfe herum.
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Der junge Manz dagegen war wieder voll befriedigt über den heutigen Vormittag, als sie schließlich Seite an Seite ins Lager zurückgingen, gefolgt von dem verschlafenen Posten. ,, Also du siehst, Oberst, wie es bei mir zugeht, gelt ja! Und wenn ich einmal nicht ins Lager zurückkehren sollte, so sagst du dir, daß man mich eben geschnappt hat beim Abhören von Feindsendern.... Dann weißt du ja, was mir blüht: erst wird sich die Lagerstrenge an mir austoben nach altbekannten Rezepten und hernach packt mich ein hohes Sonder
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