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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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und geschickt in seinen Berufen. Nicht umsonst ist der Pole in allen schweren Gewerben, die große Genügsam­keit erfordern, überall in der Welt, auch in der neuen drüben, anzutreffen und diesem Volke, das noch dazu einen starken Lerntrieb in sich fühlt und welches weiß, daß der Deutsche seit Jahrhunderten sein Lehrer gewesen ist, allerdings ein unbarmherziger, hochmütiger diesem Lehrer, wie ich nicht verschweigen möchte

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Volke will man im Ernste zutrauen, solche Greuel an deutschen Familien begangen zu haben, wie Ihre Presse uns vorwirft? Heißt das nicht, der naiven Gutgläubig­keit der eigenen Volksmassen etwas gar zuviel zuzu­muten?"

,, Seien Sie beruhigt, Professor", besänftigte ihn Bert. ,, Es glauben bei uns ohnehin nur die ewig Unbelehr­baren, freilich immer noch zahlenmäßig weite Kreise...."

,, Vielleicht haben Sie recht", zweifelte der Pole. ,, Nur wird das Erwachen aus dem satanischen Betrugsmanöver für Ihre Landsleute tragisch genug sein, sobald die übrige Welt das Fazit aus dem jetzigen Geschehen ziehen wird.

,, Also glauben Sie an Deutschlands Besiegung?" fragte ihn Bert.

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, Ohne jeden Zweifel! Irgendwo mündet ja jeder Blutstropfen, jeder Schmerzensschrei in das Meer der großen Erbitterung, davon können Sie überzeugt sein, Obercapo, ein Meer, dessen Fluten hinwegspülen wird, wer sich an seinen Mitmenschen verbrecherisch ver­gangen hat.... Und ein Volk, das sich zur Unter­drückung und Ausrottung eines anderen Volkes ver­führen läßt, mag es sonst Verdienste um die Menschheit in Mengen haben, das ist schon im voraus dem Unter­gange geweiht, zum mindesten alle schuldigen Köpfe von ihm!"

Er legte seine Hand sanft auf Berts Arm, als ob er ihm mit dem Kommenden nicht weh tun wolle. ,, Es ist eben der überspitzte Militarismus, dem Ihr Volk sein Bestes opfert, was es lieber zu höheren Zwecken pflegen sollte... ein Beispiel nur: in der schönen alten Marien­