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Bert stand auf und begrüßte den Künstler herzlich. ,, Sie wollen mir tatsächlich einen Genuß bereiten, Professor, aber dann lassen Sie uns bitte bis nach dem Imbiẞ warten...."
,, Aber durchaus nicht", wehrte der Pole in flüssigem Deutsch ab ,,, bei uns ist man gewöhnt, beim Speisen Musik zu hören und meistens keine schlechte... übrigens ist das Instrument hier nicht viel wert- also bitte, Herr Oberst, lassen Sie sich nicht stören!"
,, Aber Sie sind doch kein Kaffeehaus- Geiger, Professor!" sträubte sich Bert.- ,, Oh, wenn ein Beethoven es nicht verschmäht hat, in einem Restaurant des Wiener Praters aufzuspielen, warum soll ich dann nicht zu Ihrem Frühstück etwas Begleitmusik liefern...." Und als auch Leo einwand: ,, Siehst du! Setz' dich lieber und iẞ!" gab Bert endlich nach.
Der Pole spielte... spielte schön und zum Weinen ergreifend, erst das Frühlingslied von Mendelssohn , dann den ersten Satz aus dessen großem Violinkonzert, eine Sonate von Dvořak und zum Schluß zwei graziöse Schelmereien von Kreißler. Dann ging er wieder hinaus, ohne auf die Einladung des Gastes, Platz zu nehmen, einzugehen.
Bert war begeistert. ,, Sag mir bloß, Leo", wandte er sich schließlich an ihn. ,, Womit habe ich nur eine derartig festliche Aufnahme bei dir verdient? Du beschämst mich ja geradezu!"
Der Feldwebel schüttelte jedoch den Kopf. ,, Warte nur ab, lieber Freund, der Pferdefuß kommt schon noch nach, denn nichts ist umsonst im Leben... und zwar beginne ich sofort bei unserem Musikus hier: er gehört zu deiner Schar der Uneingeteilten... bitte überlege dir, wie du ihn am besten unterbringen kannst! Denn ein Springinsfeld ist er nicht mehr und das kalte Herbstwetter wird bald über uns kommen... wie soll er mit erfrorenen Fingern seine Geige spielen?"
,, Das sehe ich vollauf ein! Zur Zeit habe ich gerade das neue Kommando der Strohmattenflechter zusammenzustellen... die Leute hätten gutes Stroh einfach zu


