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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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Der Führer der japanischen Kommission betrachtete den aristokratischen Kopf des Häftlings mit wohl- gefälligem Interesse und bat ihn, aus seiner Tätigkeit einiges zu erzählen.

Das war nun nicht sehr nach Wunsch des Sturm- bannführers. Er erwartete wohl auch, daß Stillfried nur oberflächlich über Belanglosigkeiten sprechen werde

. aber er täuschte sich. Grundehrlicher Mensch, wie Stillfried war, stellte er, ohne im geringsten aufzutragen oder gar die Gelegenheit zur Ranküne zu benutzen, ein knappes Bild von der Behandlung der Häftlinge in Wöllersdorf und seinen Aufgaben dabei zusammen, immerhin beleuchtend, wie gewaltig sein Lager in der humanen Behandlung von Leuten, deren sich die Re- gierung auf keine andere Weise hatte erwehren können, von den heutigen Lagern der Nazis abstach.

Seine Worte, die er zu wählen wußte, wie selten einer, interessierten die Japaner wesentlich mehr, als Piorkowski lieb war. Leider entging sein umdüsterter Blick dem Erzähler, der sich nicht stören ließ.... Bis der Anführer der Fremden sich nachdenklich am Kinn faßte, als Stillfried schwieg, und ihn mit aller Zurück- haltung und Schonung im Tonfalle fragte: ‚Gut, gut, sehr interessant fürwahr, aber sagen Sie mir bitte noch eins: das war doch alles vor dem Umbruch in Österreich , nicht wahr? Dieserhalb kann man Ihnen doch nichts anhaben!

Sehr richtig, nickte Stillfried seine Zustimmung, erfreut über das richtige Urteil der Asiaten.

Ja und verzeihen Sie bitte meine Neugier, Herr Baron, fuhr der Japaner behutsam fort. ‚‚Warum sind Sie dann verhaftet worden und warum sind Sie noch immer hier?

Über die Züge des Befragten lief ein Lächeln des Triumphes. Er zuckte die Achseln und erwiderte dem Fremden nur mit einem Blicke, der alle Sprachen redete und besagen wollte: ‚auf diese Frage mußt du dir selbst Antwort geben, ich bin dazu außerstande! Und dann sah er sehr aufrecht dem Kommandanten in die Augen,