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Und schon faßte der Temperamentvolle den Freund am Arm und zog ihn auf seinen kleinen Wagen zu. ,, Komm, Bertie, du hast doch etwas Zeit wie? Ich muß das genau von dir hören und ich schwöre dir: wenn nicht etwas ganz Triftiges vorliegt dafür, daß man dir so etwas angetan hat, dann... ja, dann erkläre ich noch mit dem heutigen Tage meinen Austritt aus der SS. und der Bewegung überhaupt
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,, Psst, Toni, sei g'scheit!" besänftigte ihn Bert. ,, Schaff' dir keine Ungelegenheiten, die schließlich auch noch auf mich fallen würden-- komm, ich habe genug Zeit und erzähle dir alles ausführlich!"
Beide gingen Arm in Arm dem Kabriolett zu, während sich die Wachposten, die der Szene mit verstohlenem Behagen gefolgt waren, mit den Ellbogen anstieẞen ob der Seltsamkeit des Anblickes: der elegante Zivilist mit dem goldenen Partei- und SS.- Abzeichen am Rockaufschlag und der bedächtige Häftling im blau- weiß gestreiften Clownanzug mit glattgeschorenem Haupt. Am meisten hatten aber den Häftlingen die zornigen Worte des Baumeisters gefallen, die sie mit halblauter Wiederholung der Kraftausdrücke immerfort vor sich hin sprachen, der erröteten Oberschwester zum Tort.
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Nach mehr als einer Stunde Aussprache bei guter Zigarre und einigen Schlucken Kognak, den Anton Seidl als Jäger ständig bei sich führte, fragte er seinen Freund in warmherziger Weise: ,, Nun sage mir noch zum Schluß, Bertie, denn ich muß nun dringend weiter: was kann ich ernsthaft für dich tun? Nicht wegen der weiteren Haft, da spreche ich schon morgen mit deinem Kommissar, und zwar in Uniform als SS.- Brigadeführer, weil in diesem närrischen Lande ja bloß die blanken Knöpfe und Tressen noch irgendwelchen Effekt ausmachen... und ich kenne doch die Gesellen ganz da droben zur Genüge seit fünfzehn Jahren, also gewissermaßen noch im Negligé, sondern für die jetzigen Tage deiner Haft, meine ich? Hast du keinen Wunsch, der sich erfüllen ließe?"
Bert wiegte lächelnd den Kopf, bevor er antwortete:


