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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
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szenierte beim Abendappell gleich die Verleihung der gelben Binde an Bert. Der blonde, heitere Rämmele nahm sie ihm ab und übergab sie Bert mit einer Art Feierlichkeit, dabei seine schönen Zähne zeigend und gutmütig spottend:

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,, Sag'ns mir: woas san's? An Oberst im General­stab? Na, merk'ns auf: bei uns herinnen könn's leider höchstens zum Obercapo bring'n, aber auch höchstens!"

Und am freien Wochenende wandelte Bert schon mit der gelben Zier am linken Ärmel umher, von seinen Freunden natürlich weidlich geneckt wegen seiner Be­förderung und noch stärker wegen des Namens seines Kommandos..

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, Was sollst du da eigentlich bauen, sag mal, Oberst? Werden das etwa die ersten Baracken zu einem Kz für Säuglinge? Oder glaubt die Lagerleitung unsere, Um­schulung soweit treiben zu können, daß wir in gesegnete Umstände kommen? Was wäre in Nazi- Deutschland bekanntlich nicht alles möglich?"

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Um was es sich handelte, wurde Bert zu Beginn der neuen Woche offenbar, und zwar zu seiner vollen Be­friedigung.

Das kleine Kommando bestand aus 42 Mann, zumeist vernünftige, Rote', die sämtlich bestimmten Handwerken entstammten: Zimmerleute, Maurer , Maler, Dachdecker, Spengler, Gärtner. Professor Hafner fand sich als Hilfscapo ein, fünf Posten wurden von Rämmele zu­geteilt, durchwegs schmerbäuchige Schnauzbärte und ab ging es schon als drittes Kommando zum Tor hinaus.

Wieder wurde es ein wundervoller Frühsommer­morgen, als wollte die Vorsehung Bert und seine Leute für den schauderhaften Winter entschädigen. Von dem erwachenden Walde, dem man entgegenzog, stieg leichter Dunst auf und Silberschleier webten um die rötlichen Fichtenstämme. Strahlenbündel von Licht fluteten