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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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Die Hitlerei hat durch ihren exaltierten Jupp Göbbels die nationale Eitelkeit bis zur Lächerlichkeit gestei­gert...."

,, Tja, leider ist es in der deutschen Propaganda wieder Usus, so zu lügen, daß die vaterländische Eitelkeit durch dick und dünn geschmeichelt und gestreichelt wird!" ,, Und welcher Riesenaufwand an harten und gewal­tigen Worten, meist um Bagatellen!"

,, Nun dazu noch ein Wort von Goethe :, Wer recht wirken will, muß nie schelten und sich um das Verkehrte überhaupt nicht kümmern, sondern nur das Gute tun. Denn es kommt nicht darauf an, daß eingerissen wird, sondern daß etwas aufgebaut werde, woran die Mensch­heit reine Freude hat'...

So sprach man sich aus. Freilich gingen Rede und Antwort nicht fließend vonstatten, sondern stets unter Pausen bei langsamer Weiterarbeit, prüfendem Auf­blicken und Korrigieren des Gemalten, daher mehr ruckweise und ohne vollen Zusammenhang.

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Während die Malbeflissenen derart ihre Meinung aus­tauschten, war draußen im Freien eine merkbare Un­ruhe entstanden. Durch die Glasfenster sah man alle Häftlinge ihre Arbeit verlassen und die Richtung auf den Sammelplatz einschlagen. Als die Stube sich noch beun­ruhigt fragte, was eigentlich vorliegen möge, denn es war erst gegen drei Uhr, riß der Capo der Treibhäuser die Außentür auf und rief mit Stentorstimme herein: ,, Alles sofort antreten vorwärts!"

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Im Gehen verriet er den anderen, daß von den Aus­hilfskräften drei Mann bei der Flucht erfaßt worden seien. Einer sei auf den Anruf des Postens weiter­gelaufen und erschossen worden. Die anderen beiden hätten die Hände erhoben und sich einfangen lassen.... Das wäre nun seit Jahresfrist wiedermal der erste Flucht­versuch, den die Plantage erlebte. Die schläfrige Stim­mung, die der schöne Vorsommertag in Capos und Be­