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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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blüffenden Mädchen war ja alles zuzutrauen. Sie besaß so recht die Zähigkeit und Findigkeit der slavischen Rasse.

Niemals freilich hätte er sich träumen lassen, ihr in dichter Nähe seines Arbeitsplatzes zu begegnen, nämlich im Vorraum zur Totenkammer....

An einem Vormittage kam Schnell-Max früher als sonst von einer seiner privaten Exkursionen zurück und rief Bert sofort zu sich in den: kleinen Raum des Geräteschuppens. Nicht eher, als bis die Tür der Kammer sorgfältig wieder geschlossen war, sah er seinen Hilfs- capo bedeutsam an und langte einen eng zusammen- gefalteten Zettel von lichtblauer Farbe aus der Tasche. Ihn in der Luft wie eine Trophäe schwenkend, fragte er Bert eindringlich: ‚Sag mal, Oberst, erwartest du etwa Besuch von draußen?

Der Gedanke an Ifina durchfuhr Bert bei dieser Frage zwar blitzartig, aber er zögerte noch, sich zu ver- raten... so zuckte er lieber die Achseln nachlässig und warf lediglich hin: ‚‚Wie sollte das möglich sein, hm? Aber seine Gelassenheit war nur Schein. Im Innern hielt ihn eine wachsende Erregung gepackt.

Nun nun, einen Weg gäbe es, den natürlich kaum jemand von deinen Leuten in München wissen kann. Aber sie können sich ja gegen teures Geld von einem jener ‚Sachverständigen beraten lassen, wie sie im Städtchen Dachau zu finden sind. Und einer Frau aus jenem Kreise, die mir schon bekannt vorkommt, bin ich jetzt begegnet. Sie hat, als sie Heyden und mich sah, das Papier hier zu Boden fallen lassen... ich konnte es unauffällig aufheben und lesen

Er faltete den Zettel langsam auseinander und las, ihn gegen das Fensterlicht haltend, mit gedämpfter Stimme vor:Schleunigst auf Block IX, Stube 4 zu bringen und für Häftling Nr. 35851, Oberst Robert Jordan, abzugeben Strich unter diesem Satz.

Dann weiter: ‚Versuchen Sie irgendwie zur Toten- kammer zu gelangen. Sie werden dort von einer Ihrer Angehörigen erwartet, und zwar während: der Besuch-