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Beschluß des langen Zuges, der dem provisorischen Tor zustrebte. Die letzte Stunde über hatte Bert kaum noch etwas von seiner Umgebung gespürt; dazu hatten die Auftritte mit Schnell- Max ihn zu sehr erregt. Nun sah er bewegten Herzens, welche Farbenpracht die Mittagssonne über das Gelände zauberte. Im Gezweig hüpften die Meisen und Tannenzeisige. Ein Flug weißer Tauben kreiste über dem marschierenden Trupp ach, hätte so manches versöhnlich und erträglich ausschauen können, wenn nur
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Auf der kleinen Holzbrücke über dem reißenden Bach rekelten sich die wachhabenden Scharführer. Sie waren von der mild scheinenden Sonne behaglich gestimmt und zählten lachenden Mundes die Häftlinge nach, deren Kopfzahl ihnen der Capo laut zugerufen hatte. Der erste Wachhabende verglich das Ergebnis mit der Kopfzahl beim morgendlichen Ausmarsche des Kommandos, eine Zahl, die auf Meldezetteln notiert stand. Damit diese Zahlen Gott behüte! übereinstimmten, mußte der Capo seine Leute vollzählig wieder zurückbringen... ob tot oder lebendig, das spielte keine Rolle. Als der Scharführer den toten Juden in dem Schubkarren ausgestreckt liegen sah, rief er belustigt aus:
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,, O jeh, da kommt ja der Erzvater Isaak auch noch hintendrein, um seinen Segen zu spenden- na, schmeißt den Kerl nur gleich hinten ab, dort liegt ohnehin schon genug solches Gelichter, das für den großen Ofen reif ist!"
DIE TOTENKAMMER.
Kaum hatten die Kommandos die Sperre am Tor passiert, als der, braune' Arbeitsscheue auch schon stracks seinen Karren an den Rand des Marschweges steuerte und dort einfach umkippte. Der Tote purzelte ungelenk heraus und blieb, halbsteif, wie er schon war, in verrenkter Stellung am feuchten Boden liegen, das Gesicht nach unten, so daß es aussah, als bete er in


