Druckschrift 
Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
Seite
252
Einzelbild herunterladen

-

252­

wie es späterhin bei vielen ähnlichen Fällen auch ein­trat, so wäre niemals ein Scharführer dem Capo in den Arm gefallen... zumal es ja, nur ein Jude' war. So etwas war doch alte, man könnte fast sagen, geheiligte Tradition des Lagerlebens, Frucht der Verruchtheit ihres Beherrschers Heinrich Himmler .

Kaum zwanzig Minuten hernach sah Schnell- Max, nunmehr von seinem Rauschzustand befreit und den Bau gewissenhaft überwachend, auf seine Armbanduhr und stellte als Zeit dreiviertel vor elf Uhr fest. Nur den Capos war es gestattet, eine Uhr bei sich zu führen. Sich umschauend, bemerkte er auch schon den Kommando­führer mit langen Schritten über die Wiese daher­kommen, die unfehlbare Zigarette im Munde. Eine kurze Verständigung zwischen beiden erfolgte, dann setzte der Scharführer eine kleine Metallpfeife an den Mund und gab ein langgezogenes trillerndes Signal mit ihr.

An allen Stellen des weiten Bauplatzes wurden die Werkzeuge abgelegt oder in den losen Sand gesteckt, mit dem Stiel nach oben. Der Motor der Mischmaschine lief aus, die Schubkarren rollten beiseite, und alles strebte der Fahrstraße zu, um zur Mittagspause an­zutreten.

Bevor der Capo den Geräteschuppen abschloß, in dem ein früherer Sergeant der französischen Fremden­legion als Materialausgeber saß, ein mürrischer Mann mit zitronengelber Gesichtsfarbe, typischer Leberleiden­der, ließ Max von ihm den Toten heraustragen und in einen leeren Schubkarren setzen. Einer der, Braunen', der während der Arbeit aufgefallen' war, mußte den Karren stoßen. Arme und Beine hingen dabei steif über die hölzernen Kanten des Füllraumes hinaus auf den Boden hinab. Der Kopf schleifte auf dem ver­schmierten Rade des Karrens und hüpfte bei jeder Unebenheit leicht auf und nieder, als ermuntere die letzte Heimfahrt noch den Verblichenen... niemand hatte es für nötig befunden, ihm die Augen zu schließen.

Der Karren mit seiner traurigen Last bildete den