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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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Weise! Und alle Welt begrüßt sich nicht mit dem vor­geschriebenen ,, Heil Hitler !", sondern mit dem ehr­würdigen ,, Grüß Gott!" und ,, auf Wiedersehn!"- wirklich kurios! Kaum einer in dieser Stadt, von der die ganze Bewegung ihren Ausgang nahm, scheint auf den Schwin­del mehr neugierig zu sein... ich werd's zu meiner Er­holung mal mit dem heimischen ,, Habe die Ehre" halten, vielleicht leg' ich damit mehr Erfolg ein, als mit dem strammen ,, Deutschen Gruß", der mich eh' nicht kleidet als einstigen k.k. Staatsidiot!

Bert machte es sich bequem und gab auf die Frage des Kommissars nach seinem Befinden erschöpfende Antwort, ohne Scheu vor der eben erst erhaltenen Er­mahnung durch Tibbu- Tipp. Es bereitete ihm vielmehr eine Genugtuung, gerade vor Gestapoleuten über das Übel der Lager zu sprechen. Mit gespannter Miene horch­ten beide Beamte zu, denn auch ihnen war ja diese Welt hermetisch verschlossen, als Bert von den Zuständen in Flossenbürg und den Leiden der politischen Gefangenen dort den Schleier hob.

,, Na ja", versuchte der Wiener die Vorgänge zu bagatellisieren, denn bei ihm witterte die Spürnase des eingefleischten Philisters bereits Unrat ,,, gehungert habe ich auch schon in meinem Leben, da ist doch nicht viel dabei!"

,, O nein", gab Bert mit Nachdruck zurück ,,, so ist das nun nicht! Sie waren vielleicht hin und wieder hungrig, Herr Kommissar, aber dicht am Verhungern waren Sie bestimmt noch nicht, das wette ich mit Ihnen!"

,, Ja, ja", verriet der Münchner Referent ,,, die Kz's sind mir von jeher ein Dorn im Auge, gerade weil man so wenig über sie erfährt."

Und sein offenherziges Urteil gab Bert erst recht das Stichwort, seine Meinung über den Fluch dieser Lager auszusprechen, ein Fluch, der auf ihre Urheber einst zurückfallen werde. Er wußte ja am besten, wieviele Pfade in der Hitlerei beschritten wurden, um andere Menschen, ja um ganze Volksgruppen zu knebeln und zu