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Den ersten Tag ließ man sie ganz ungeschoren die Behaglichkeit ihres Alleinseins genießen. Beiden war ja noch völlig unklar, welche Beweggründe ihre Überstellung veranlaßt hatte. Aber am nächsten Vormittag wurden sie einzeln nacheinander aus der Zelle geholt und durch einen unterirdischen Gang in das Hauptgebäude gebracht.
Bei Bert war das Problem rasch gelöst: in dem Zimmer, in das man ihn führte, saß neben einem Münchner Beamten sein Kommissar aus Wien , der ihn während des dortigen Jahres Schutzhaft ein- bis zweimal vernommen hatte. Vor sich hatte er einen stattlichen Stoẞ Akten mit dem breiten Aufdruck, Geheim' aufgebaut. Der Münchner Kommissar bot in der gemütlichen Weise, die hier bei den guten Elementen heimisch ist, dem Häftling einen Stuhl am Schreibtisch an. Seine joviale Art färbte auch auf den Wiener Kollegen ab. Damals in seinem Arbeitszimmer hätte er sich am liebsten ins Ohrläppchen gebissen vor gehässigem Eifer. Nun tat er vor dem Münchner Kollegen, der hinter seinen Brillengläsern kluge Luchsaugen spielen ließ, als ob er in Bert einen alten Kameraden begrüßen würde.
Es handelte sich bei dem Verlangen, das er an den Häftling richtete, um die Abschließung von Akten, deren Hauptteile in chiffrierter Schrift gehalten waren- Bert seien sie sicherlich noch bekannt, denn er habe sie selbst in seinem Dienste angelegt. Zwar besitze man den Schlüssel zur Dechiffrierung beim Heer, doch wären da noch eine Reihe von Zusätzen von Berts eigener Hand und in einer unbekannten Schrift, wahrscheinlich seiner speziellen. Sie schienen dem Heere von Wichtigkeit.... Unter einer leichten Verbeugung gegen Bert schloß er mit den Worten, dabei verstohlen lächelnd: ,, Sie sehen, daß selbst die obersten Behörden Ihrer Person und deren Äußerungen noch genügend Wert beimessen!"
Er hielt einen Augenblick inne, wohl um eine Ant


