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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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Und siehe da! Die Häftlinge trauten ihren Augen kaum: Um die Ecke herum stand ein komfortabler Horch- Achtzylinder, aufgeschlagenes Kabriolett mit sechs Sitzen, neben der angelehnten Wagentür ein SS. - Mann als Fahrer, zigarettenrauchend und sich lang­weilend. Im Nu stand ihr Scharführer neben ihm und flüsterte ein paar vertraute Worte mit ihm... ohne Frage war die Überführung der Häftlinge nach Mün­ chen nur der Vorwand für wesentlich interessantere Ziele. Dann ließ der Scharführer seine vier Männer eiligst im Fond des Wagens Platz nehmen, setzte sich selbst neben den Fahrer und ab ging es lautlos durch das sich wie von selbst öffnende große Außentor des Lagers.

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Oho oho! Bert zwinkerte vergnügt seinem ver­dutzten Kameraden neben sich zu, der noch immer glauben mochte zu träumen, ein nur zu begreiflicher Zu­stand nach sieben Jahren äußerster Erniedrigung und Entbehrung. Allmählich aber freute auch ihn die an­genehme Luftmassage durch die Fahrt und das förmlich kapitalistische Polstergefühl unter dem Sitzfleisch, mochte er auch überzeugter Kommunist sein.

Ein zartblauer, stiller Himmel wölbte sich über der Welt. In der Ferne standen die Berge, die ganze lange Kette der bayerischen Alpen vom Allgäu bis zum Watzmann , greifbar klar in violfarbenem Schein. Das ziemlich nüchterne, topfebene Land, das sie durch­fuhren, breitete sich im Schimmer des frischen Lenz­grünes behaglich aus, durchsetzt von früh blühenden Obstbäumen in ihrem prangenden Weiß. Es war die erste rührende Kinderschönheit des Jahres, die sie er­griff und die so leicht an das Größte, Unwahrscheinlichste glauben läßt, insonderheit nach solch einem erbitterten Winter wie dem vergangenen.

Eine innere Heiterkeit erfaßte Bert immer nach­haltiger... ach, das liebe, schöne, frohe Leben, das sich hier draußen in aller Schlichtheit entfaltete... wie leicht ließ es sich doch mit etwas gutem Willen zu etwas Innigem, Warmem, Herzlichem gestalten. Der so nahe­