auf Betreiben des Scharführers in denkbarster Hast, weil ihm alles zu lang dauerte. Und nun ging es im Heidi in den sogenannten ‚Schubraum‘, jenen saalartigen Raum, der zur Abnahme und Aufbewahrung der Zivilkleider diente. Die hier beschäftigten Häftlinge suchten entsprechend der Gefangenen-Nummer den Leinensack der Überstellten heraus und warfen ihn mit einer Miene hin, als wollten sie sagen: O, ihr. Glück- lichen!
Ach, welch ein Behagen war es, noch einmal, aber zum letzten Male, das gräßliche Lagerzeug ablegen zu können, in die eigenen, weichen, schmiegsamen Zivilkleider zu schlüpfen; wieder einen Hemdkragen um den Hals zu spüren und sich eine Krawatte binden zu können. Die Füße wollten die leichten Halbschuhe kaum spüren, die wie angegossen saßen, an jenen Füßen, die ein halbes Jahr lang von den abscheulichen Holzpantinen miß- handelt worden waren!— ‚Fertig machen, Kruzitürken- schockschwerenot!‘“ fluchte wieder der ungeduldige Scharführer, den Bert im Verdacht hatte, ein galantes Rendezvous in München zu haben und der in Sorge war, es zu verpassen. ‚„Nehmt’s endlich euer Dreckzeug auf und vorwärts, aber dalli, dalli!“
Alle vier schritten unter dem Knurren des Antreibers zur Kleiderkammer, wo sie das Zeug abgaben, wieder unter Blicken, die den Neid der Zurückbleibenden ver- rieten. Als nächste Station auf dem Wege zur Außen- welt, ein Pfad, der scheinbar in Etappen wie ein Passions- weg zurückgelegt werden mußte, ließ der Scharführer seine Kandidaten am Haupttor dicht neben der Treppe zu den Zimmern der Lagerleitung Aufstellung nehmen. Der Vormittag war sonnig und in der Witterung von einer gewissen flegelhaften Frische, die aber den be- ginnenden Lenz- oft gerade bezaubernd macht. Die er- wartungsfrohe Stimmung ließ die Häftlinge, die allein standen, sich näher kommen, in erster Linie die beiden ‚Roten ‘.
Der Gefährte nannte sich Georg Claus, war seines Berufes Mechaniker, kommunistisch organisiert, ohne


