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ja fast alles, was er sich hier mühsam angeschafft hatte: Rasierzeug und Bürsten, Feuerzeug und Pfeife, sowie alle Lebensmittel aus der Kantine.
Hierbei bedachte er zunächst seinen treuen Kärntner Ogertschnigg, der es am meisten verdiente. Dann eilte er weiter, um sich von seinem Wiener Kreise zu verabschieden, der jetzt auf verschiedenen Stuben verteilt lag, insonderheit von Stillfried, Adam, Seeger und Leo Eichmüller, die ihn umarmten.
,, Sei froh", sagten ihm alle ,,, selbst wenn du wiederkommen müßtest, bist du doch für einige Tage das öde Lager los und erlebst mal was anderes sei zufrieden!"
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Nach dem Morgenappell nahm ihn und noch drei andere Häftlinge, darunter zwei, grüne Norddeutsche, ein brummiger Scharführer ins Revier mit und ließ sie sich vor der Schreibstube ausziehen, natürlich in solcher Eile und Hast, als ob ein Schnellzug mit einer Minute Aufenthalt auf sie warten würde. Als sie darauf splitternackt in der Zugluft des Vorraumes standen, mußten sie sich über eine Stunde gedulden, bis Seine Hoheit, der Arzt, zu erscheinen geruhte. Das war wieder ein blutjunges Junkerlein, der von ihnen überhaupt nur einen ansah, nämlich den Grünen, der zum Antritt einer Gerichtsstrafe überstellt wurde. Der Mann hatte auf seinem Gesäß noch allzu sichtbare Spuren einer ausgiebigen Bastonnade: fingerdicke Schwielen mit blaurot verkrusteten Blutpolstern.... Nach einigem Schwanken des Arztes gab aber die Überlegung den Ausschlag, daß der Häftling ja nicht an die Öffentlichkeit( die solche Spuren von Lagererlebnissen nicht sehen durfte!), sondern in eine Strafanstalt käme. Also konnte der Mann ebenfalls überstellt werden.
Auf diese Prozedur hin wurden die Kandidaten noch gewogen und gemessen, mußten einen Revers unterschreiben, daß sie an das Lager keinerlei Ansprüche zu stellen hätten wer von ihnen würde jemals mit seiner Unterschrift gezögert haben, selbst wenn er die größten Schäden zu beklagen hatte, sobald die Befreiung winkte? Und schließlich durften sie sich wieder anziehen, wieder
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