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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
Seite
211
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rascher schlagen zu lassen... dürres Blatt im Winde, wie ein Gefangener in einem Willkürstaate nun ein­mal ist.

,, Wie lautet dein Vorname und wann bist du ge­boren?" fragte ihn der Blockschreiber zur Vorsicht nochmals. Und nach Berts Angaben fuhr er fort: ,, Mach' dich fertig, laß dich rasieren und packe deinen Kram du wirst heute nach München überstellt!"

zusammen

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Einen Moment lang schloß Bert die Augen vor Über­raschung. Was er von allem allein heraushörte, war das Wort, München '. Dann sahen seine großen, grauen Augen den Schreiber fragend an: ,, Was heißt das- überstellen?" Der Blockschreiber zuckte die Achseln. ,, Das heißt im Glücksfalle Entlassung nach vor­herigem Zeremoniell bei der Gestapo . Im ungünstigen Falle nur Vernehmung oder Zeugenaussage vor Gericht, aber auch Eröffnung eines Strafverfahrens gegen dich und ähnliches!"

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,, Aha! Das weiß man also vorher noch nicht?" wollte Bert noch wissen. Der Blockschreiber schüttelte den Kopf und verabschiedete sich. Er hatte wie immer Eile. Die Stubengenossen aber schlugen Bert freund­schaftlich auf die Schulter, um ihm unter Gelächter einzureden: ,, Aber geh! frag' nicht soviel. Daß du ent­lassen wirst, ist doch sonnenklar! Jetzt nach den ersten Verlusten an der Front und wo es bald an der Westfront losgehen wird, verlangt dich das Oberkommando des Heeres einfach heraus. Und bald wirst du mit dem Ritterkreuz am Halse umherlaufen, alter Freund, paẞ nur auf!"

,, Er soll lieber sein eigenes Kreuz wieder heil zurück­bringen", besänftigten die Behutsamen. Und die ganze Stube sprach beim Kaffeetrinken von nichts anderem mehr. In erster Linie war der Fall eine Affäre für die Bettelbrüder und Schnorrer in der Stube, die keine Gelegenheit ungenützt ließen, um irgendwas heraus­zuschlagen. Jetzt drängten sie sich an Bert heran und musterten seinen Spind, um möglichst für sich zu er­raffen, was er zurückließ. Und verschenken mußte er

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