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wurde; das Gedenken an ihr zurückgebliebenes Heim, an die Familie, Heimat, Stellung und was aus ihnen hier noch werden sollte... das alles mußte verzehrend an ihrem Herzen nagen. Bert sah sie hohläugig umher- irren oder sich verzweifelt zusammendrängen, wenn der scharfe Ostwind durchs Lager pfiff und ihnen die Baracke versperrt war.
Ein Teil von ihnen kauerte apathisch, stumm und reglos am Boden, als erwarteten sie, daß sich die Erde öffne und sie oder ihre Widersacher verschlinge. Es waren junge Burschen darunter bis zu 13 Jahren herab, schwächliche Muttersöhnchen, halbe Kinder, auf deren Scheitel eigentlich noch die Elternhand hätte ruhen sollen. Und wie es periodisch im Lager von Fall zu Fall immer eingetreten war, wandte sich die Begier der SS.- Leute größtenteils den interessanteren Neuen zu, die vor ihnen zitterten wie vor dem leibhaftigen Satanas. Noch wesentlich genußvoller für jene war es freilich, sich unter den Jüngsten ein paar nette, appetitliche Burschen auszusuchen, die in die Schlafräume der Scharführer bestellt wurden, um dort angeblich das Säubern der Stuben zu erlernen, in Wahrheit natür- lich, um mit ihnen der Knabenliebe zu fröhnen, die in Deutschland seit der Naziherrschaft erschreckend um sich griff und in solchen Lagern erst recht ein florie- rendes Laster war. ‚
ERSTE ÜBERSTELLUNG.
Schon waren Bert und seine Freunde ziemlich in den Trott des Lagerlebens nach Dachauer Zuschnitt ein- gewöhnt— es mochte so gegen Mitte April 1940 sein— als plötzlich eines frühen Morgens beim üblichen Betten- bau sein Name im Tagesraum ausgerufen wurde. Vom Schlafraum kommend, sah Bert den Blockschreiber mit dem Notizbuch in der Hand auf ihn warten und eine Anzahl Stubengenossen mit gespannter Miene ihm entgegensehen. Das allein genügte schon, um sein Herz


