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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
Seite
198
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EIT. WIEDER IN DACHAU .

RÜCKKEHR INS LAGER.

Als die Rückkehrer aus Flossenbürg sich am anderen Morgen umsahen, wollte es ihnen scheinen, als ob das vertraute Lager nicht mehr zu erkennen sei.

Daß sie nachts bei ihrer Ankunft nicht durch das gewohnte Haupttor mit dem schön geschmiedeten Gitter einmarschiert, sondern am Laufe der reißenden Amper entlang und durch ein provisorisches Tor. hereinge- kommen waren, hatten die meisten trotz der herrschen- den Dunkelheit wohl gemerkt... jetzt aber sahen sie, daß die imposante, breite Lagerstraße zur Hälfte durch einen Stacheldrahtzaun quer abgesperrt war und hier- durch nur noch die halbe Zahl von Baracken den Häft- lingen zur Verfügung stand. Die abgesperrte Hälfte war noch mit SS.-Truppen belegt. Folglich fiel auch der große Appellplatz sowie das weitgestreckte Wirtschaftsgebäude mit dem Bad aus.

Immerhin war das schließlich noch zu verwinden. Stärker packte es die ehemaligen Flossenbürger, als sie vernahmen, welch tiefe Lücke in die Reihen ihrer Freunde durch die halbjährige Verlegung in auswärtige Kzs gerissen worden war. Besonders die Österreicher hatten unter. den 900 Toten, die im Lager Mauthausen von den 1500 Dachauern zurückgeblieben waren, gar viele ‚Spezis und Verwandte zu beklagen. Und noch stärker als sie waren jene braunhäutigen Zigeuner dezimiert worden, die Bert vor ihrem Abmarsche auf dem Appell- platze gesehen hatte Kinder des heißen Südens, die der barbarischen Kälte dieses Winters, dem Hunger, der unmenschlichen Härte ihrer Arbeit in den dortigen Steinbrüchen wie die Fliegen zum Opfer gefallen waren.