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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
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das Unwiderrufliche erfuhr. Sein Herz wollte sich schier aufbäumen bei dieser Nachricht, so wenig überraschend sie ihm kam. Also hat auch er das Stigma des Märtyrer- todes empfangen! Unwillkürlich murmelte Bert die Worte Stillfrieds nach: ‚auch seine Asche wird durch die Lande stäuben wie wehende Saat, und sein Geist durch Städte und Dörfer gehen... das walte Gott !

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Die Seuche aber schrittweiter durch das Lager wie ein Sensenmann mit weit ausholendem Arm.

Bei Bert zeigte die Erkrankung ausgesprochen gut- artige Tendenz, wie sein Freund Seeger vorausgesehen hatte. Er konnte am vierten Tage schon stundenweise aufstehen, da seine Temperatur nicht mehr 38,5° über- stieg und die flüssigen Stuhlgänge nahezu aufhörten. Ein gesunder Appetit meldete sich auch wieder. So übernahm er als Rekonvaleszent freiwillig das Rösten der Brotscheiben und ihre Verteilung in der Baracke.

Um die Mehrzahl der anderen stand es jedoch übel. Die Unglückseligen lagen auf ihren fleckigen, übel- riechenden Strohsäcken, stöhnend und. wimmernd, so gut wie widerstandslos dem Wüten der Seuche preis- gegeben infolge des Raubbaus an den Kräften ihres Körpers,.den das Lager getrieben hatte.... Und fort- während kamen noch neue Scharen herein, belegten sofort jedes Bett, das frei wurde.

Bei der Verteilung des gebähten Brotes traf Bert in einem Winkel der halbdunklen Baracke auch auf einen ‚grünen Bekannten in Todesnöten, nämlich auf jenes hagere, verwachsene Männchen, das bei der Aus- peitschung vor ihm gestanden war. Das nun entspannte Gesicht war erfüllt von einem kindlichseligen Frieden, ja sogar einer weltentrückten Hoheit. Der Arme war ganz dicht vor dem Moment, wo die Seele die Grenze zwischen Leben und Tod überschreitet. Er war schon gleichsam emporgehoben ins Wesenlose. Das schnurrige Igelgesicht verklärte nun statt der Verzerrung durch