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Priesterschicksale : Lustrum luxaturae : Erlebnisse, Erinnerungen und Erkenntnisse aus schwerer Zeit (1933 - 1945) / erzählt vom Onkel Klemens
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Die Slowenen hatten ein vorbildliches Gemeinschafts­empfinden. Sie bildeten einen vierstimmigen Kirchenchor mit ausgezeichneten Stimmen, sie lebten sehr friedlich mit­einander, waren fleißig und genügsam. Sie waren auch glaubensmutig, denn sie kamen in ihren Gottesdienst, ob­wohl sie wußten, daß die Lagerführung das nicht gerne sah. Eine große Anzahl von Briefen sind Zeuge dieser Treue zu Kirche und Priestertum. Eine Bemerkung sei noch an­gefügt Während ich hier das Lager nicht betreten durfte, nicht einmal im Krankheitsfall, machte der Lagerführer in Nonnenweier eine rühmliche Ausnahme. Er ließ mir voll­kommen freie Hand, ich durfte alle Räume betreten und alle Seelsorgsfunktionen ausüben. Bei einem meiner Be­suche sagte er mir, der Einsatzführer habe erklärt, die Slo­wenen bräuchten zum Beichten die Erlaubnis von Berlin . Er habe ihm geantwortet: ,, Die Leute haben das Recht, in die Kirche zu gehen, und wenn sie dort beichten, geht mich das nichts an." Ich habe oft bedauert, daß dieser Mann einmal mit den Quälern des Slowenenvolkes zur Rechen­schaft gezogen werden sollte, da er doch gut und gerecht

war.

Den Slowenen folgten deutsch - russische Umsiedler, die bald in Lothringen und im Reich angesiedelt wurden, so daß das Haus beinahe leer stand. Es war uns deshalb gar nicht unerwünscht, als der Oberpräsident der Rheinprovinz den Leiter des Jugendamtes in Düsseldorf zu uns schickte mit der Frage, ob er das Haus nicht für das Kinderheim St. Anna in Neuß haben könnte. Ich ging mit dem Herrn ins Lager, aber wir wurden nicht sanft empfangen: ,, Das kommt nicht in Frage", wetterte der Lagerführer, ,, ich darf Ihnen das Haus auch nicht zeigen." Der Herr reiste wieder ab, und die Bald erschienen Verhandlungen mit Berlin gingen weiter. zwei Schwestern vom Armen Kinde Jesu, die meldeten: ,, Berlin habe das Haus für das Kinderheim freigegeben." Der Lagerführer polterte nochmals und rief den Einsatzführer zu Hilfe. Dieser fuhr selber nach Berlin , brachte aber die Nachricht, das Haus sei wirklich freigegeben, und die weni­gen Umsiedler müßten ins Lager Erlenbad( Mutterhaus der Franziskanerinnen) gebracht werden. Das Kinderheim zog ein und brachte auf einmal wieder Sonne, Sauberkeit und Freude ins Haus. Ein Lagerverwalter jedoch blieb in einem der schönen Zimmer sitzen. Kein Mensch wußte, was der

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