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Das war Buchenwald! : ein Tatsachenbericht / herausgegeben von der Kommunistischen Partei Deutschlands, Stadt und Kreis Leipzig ; zusammengestellt und bearbeitet von Rudi Jahn
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,, Jedem das Seine." Im Torweg war ein Schalter eingebaut, an dem ständig ein Blockführer Dienst machte und jeden Häftling aufschrieb, der tagsüber das Tor passierte. Zu seiner Unterstützung stand ein zweiter Blockführer im Torweg selbst, der meist mit einem Stock be­waffnet die Häftlinge anhielt und zum Fenster verwies. Jeder mußte die Mütze ziehen und in strammer Haltung melden, woher er kam und wohin er wollte, besonders für Ausländer eine schwierige Aufgabe. Oft genug setzte es dabei Prügel und Schimpfworte. Morgens und abends rückten durch dasselbe Tor die großen Arbeitskolonnen aus und ein, jeden Tag mehrere tausend Häftlinge. Dann standen rechts und links eine Anzahl Blockführer, die die Reihen zählten. Es wurde in Fünfer­reihen durchmarschiert. Die Arbeitskommandos mußten auf Befehl ihres Kapos die Mützen abnehmen und dieser selbst mußte voraneilen und die Stärke des Kommandos melden. Dieser einfache Durchmarsch war für viele Häftlinge täglich ein neues Schreckensmoment. Wehe, wenn du ein Kommando überhörtest, wenn du nicht den richtigen Schritt hattest, wenn an deiner Kleidung oder an deinem Haarschnitt etwas auffiel, wehe wenn der Blockführer schlechte Laune hatte oder der Lagerführer betrunken war, was nicht selten vorkam. Dann setzte es Prügel, Fußtritte und Peitschenhiebe, dann wurden einzelne Opfer herausgeholt, geohrfeigt oder über den Bock gelegt und anschließend an die Wand oder im Torweg zwischen das geöffnete Gitter und die Wand gestellt. Dort mußten sie dann den ganzen langen Tag stehen. Häufig aber auch noch während des Appells und bis zum Einbruch der Nacht. Wie oft haben wir beim Aus- oder Einrücken solche arme Menschen stehen sehen, die sich kaum noch auf den Beinen halten konnten, mit hängendem Kopf und merkwürdig schlaff herunterhän­genden Armen. Manchmal waren sie mit einer Kette oder Handschelle an das Torgitter oder an ein Fenster angeschlossen und hingen dann abends nur noch an diesem einen hochgereckten Arm, mit einer ge­spensterhaft bleichen ins Leere greifenden Hand. Unvergessen wird allen der Anblick eines älteren bärtigen Juden sein, der im November 1938 mit beiden ausgestreckten Armen wie ein Gekreuzigter dort an einem Fenstergitter angekettet worden war. Er war ein kräftiger Mann Anfang 50 und trug noch seinen dunkelbraunen Zivilanzug. Das Hemd war am Kragen aufgerissen, die Krawatte seitlich verschoben. So war er nachts angekettet worden, so hing er einen ganzen Tag und die ganze folgende Nacht und wurde erst am folgenden Vormittag ab­genommen, als er bereits verschieden war.

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