FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN
es sich später in Minsk an mir vollzog. Aber damals hatte ich von den Zuständen in einem KZ-Lager noch nichts gewußt und auch nichts von dieser Art Ärzte, so wie es ja leider die meisten Menschen auch heute in Deutschland noch nicht wußten.
„Ich habe früher solche Ärzte nicht kennengelernt“, führe ich das Gespräch weiter.
„Ich auch nicht“, sagt Dr. G. in seiner ironischen, etwas trockenen Art. Ich bin froh, in Deutschland gearbeitet und gesehen zu haben, daß doch die deutschen Ärzte ihre Aufgabe anders auffassen wie diese Kategorie Ärzte. Hoffentlich verschwindet diese Sorte Ärzte mit dem Nazi-Staat endgültig von dieser Erde, damit die deutsche ärztliche Wissenschaft wieder das wird, was sie früher war.“
„Es ist wirklich fabelhaft, Doktor, daß Du diese Einstel- lung hast nach allem, was Du hier in Deutschland erleben mußtest“, sage ich und gebe unser aller Achtung für Dr. G.s Standpunkt Ausdruck. Dr. G. schüttelt leicht den Kopf.
„Das hier ist nicht das Deutschland , das ich kenne, die innere Einstellung ist für alles im Leben entscheidend.“ Horst erscheint in der Tür. Er ist erstaunt über die schweigende Runde.
„Wir sprachen über die Bestialität mit den Männern letzte Nacht“, erklärt T.„Aber das ist ja nichts Neues für Dich Erzähle lieber, was Du Neues weißt.“
„Ich weiß sehr viel Neues“, antwortet Horst gedehnt. „Ein Teil des Krankenlagers wird aufgelöst, die Kranken
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