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Fern und ewig leuchtet Frieden : ein Erlebnis aus dem Zeitgeschehen nach Berichten sowie Aufzeichnungen eines zum Tode Verurteilten / dargestellt von Willo Wenger
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bevor sie verbrannt oder ins Massengrab geworfen wer­den, der Menschen, die man in den Steinbruch gejagt hat und die weiter nichts verbrochen haben, als daß sie einer fremden Rasse oder einer anderen politischen Richtung angehören? Ist diese Einstellung dann noch verwunder­lich? Ist es verwunderlich, daß diese Ärzte- Kategorie trotz schärfstem Einspruch der Kirchen und der wirk­lichen Ärzte christlicher Prägung einen neuen Eutha­nasie- Begriff geschaffen hatten, den Begriff des gütigen Todes, den sie als Vorwand benutzten, um geistig nicht vollwertige Menschen aus angeblichem staats- und rassischem Interesse unschuldig zu ermorden?" Ich muß an unseren alten Hausarzt denken, der ein väterlicher Freund der Familie gewesen ist. Ich muß an Doktor S. denken, der in T. mein geistiger Berater war, als ich dort mit zerschmetterter Schulter lag, in der Zeit, wo mir zum erstenmal ein Begriff für das Unmoralische und Verwerfliche dieser Staatsführung und der Partei­herrschaft zur Gewißheit geworden war.

Damals entstand zwischen Dr. S. und mir, obwohl ich ihn vorher nicht gekannt hatte, ein solches menschliches Vertrauensverhältnis, daß ich sogar mit meinen poli­tischen Sorgen zu ihm kommen durfte, so wie wir heute zusammen sprechen. Er ging in seiner vertrauens­vollen Offenheit so weit, daß sich durch sein Verständnis und seine eigene politische Haltung erst meine Ansichten bis zu einer klaren Überzeugung festigten. Er deckte mich ohne Rücksicht auf seine Person, sonst hätte ich schon damals vor dem gleichen Schicksal gestanden, wie

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