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FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN

Alles geht wie sonst. Mit gewohnter Präzision läuft das Uhrwerk des Tages ab. Wir leben still dahin. Noch im- mer ist die Stunde des erwachenden Tages zugleich die Stunde der letzten Entscheidung. Hunderte von Men- schen liegen immer noch täglich und starren gebannt auf ihre Zellentüren, während ihr Herz wie rasend in der Brust hämmert.

Was nun folgt, kann ich in seinem Zusammenhang und zeitlichen Ablauf nicht mehr genau schildern. Es ist, als ob alle Kräfte der Hölle sich vereint hätten, um noch ein- mal zu einem furchtbaren Schlage gegen mich auszu- holen, der ich kaum noch die Kraft habe, dem gigan- tischen Druck standzuhalten.

Am 1. November morgens um 6 Uhr verhält der Posten an unserer Zelle. Die Tür wird aufgeschlossen. Eine mili- tärische Wache im Stahlhelm triti ein. Eine eiskalte Ruhe überkommt mich- jetzt muß die Entscheidung kommen, sie ist schon gekommen. Ich sehe, wie der Mann unsere beiden Pritschen mustert. Seine Augen bleiben auf der unteren Pritsche haften:Hauptmann B., sagt er,machen Sie sich fertig, das gegen Sie verhängte 'Todesurteil wird in zwei Stunden vollstreckt. Dann wendet er sich an mich:Machen Sie sich ebenfalls fertig, Sie werden für die nächsten zwei Stunden in eine andere Zelle gebracht. Dann schließt sich die Zellentür hinter ihm.

3. und nicht ich?- War es wirklich B.? War es noch ein- mal an mir vorübergegangen? Ich sehe B. an, der sich

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