GELERNT

FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN

Ich darf Dir diese Woche wieder einen Brief schreiben und gehe in meinen Gedanken den ganzen Tag damit um. Im VB. stand heute eine entzückende, kleine Skizze von Heinz Steguweit, an der ich meine helle Freude hatte. Ich lege sie Dir bei!-

DONNERSTAG, DEN 12. OKTOBER 1944.

Heute ist Frau St. zu Besuch dagewesen, meines Zellen- genossen Frau. Und hat eine böse Nachricht mitgebracht: Das Gnadengesuch, das sie eingereicht hatte für ihren Mann, ist- abgelehnt worden. Sie weiß es schon seit Anfang September und hat es seither mit sich herum- getragen, ohne es ihrem Mann zu sagen, obwohl sie schon zweimal hier war seitdem. O Ihr armen, armen Frauen, was müßt Ihr erdulden um unsertwillen! ON...li, wie muß Euer Leid Euch zu Heiligen machen! Und nun müssen wir weiter warten, warten, warten, und der Tod seht um und will uns holen, eine sichere Beute. Wann und wie wird dies gräßliche Warten enden für ihn- und für mich?

DIENSTAG, DEN 17. OKTOBER 1944.

Nun, Du mein liebes Fraule, ist eine Antwort schon da. Hans-Erich St., der mir in seinen letzten Lebenswochen in rechter, brüderlicher Verbundenheit nahegekommen war, hat das Warten überstanden. Gestern, morgens um 8 Uhr, haben sie ihn draußen in der Umgebung Berlins erschossen. Die letzten Stunden seines Lebens aber, soweit ich sie miterlebt habe, waren so: Gestern früh,

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