FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN

Sichtbare. Und die heutige Zeit der Gottferne in vielen Ländern der Welt ist ja auch eine solche Krise.

So waren es im Mittelalter Kreuzzüge und Religions- kriege, die wir heute ihrem Sinne nach nicht mehr ver- stehen können, weil die beherrschenden ideen und die Grundauffassung vom Leben und der Aufgabe des Menschen eine andere waren als heute. Verständlicher wird uns schon eine politische Krise wie die französische Revolution; während die russische Revolution von 1917 uns noch zu nahe liegt, als daß wir die wirklichen, geisti- gen Zusammenhänge genau erforschen könnten. Nicht nur die Psychologie der geistigen Führer, auch die Massenpsychologie spielt da eine gewaltige Rolle. Tat- sache aber ist, und wir können es geschichtlich immer wieder belegen, daß ein Volk, dessen Menschen nicht besser und schlechter waren als die Menschen von heute - denn ich glaube nicht an das Schlagwort vom Fort- schritt des modernen Menschen, jedenfalls nicht in geistiger und ethischer Beziehung-, Tatsache ist, daß die Menschen gewisser Epochen plötzlich von Ideen ergriffen wurden, die sie völlig in ihren Bann schlugen. Periodisch traten Männer auf, die durch die Gewalt ihres Willens den Menschen Ziele setzten, sie für diese begei-

sterten. Diese Ziele umfaßte das Volk für eine gewisse

Zeitspanne dann als seine eigenen. Es ist, als ob ein magischer Kreis sich schließt, in dem immer neue Kräfte von dem geistigen Mittelpunkt an die Peripherie aus- strahlen und von dort gleichsam verstärkt auf diesen Mittelpunkt zurückgeworfen werden, dessen Kraft stän-

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