Eye ea
FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN
so muß er nach$ 151, 2 des BGB. in eine Heilanstalt überführt werden und kann nicht hingerichtet werden. Es ist klar, daß viele Gefangene versuchen, auf diese Weise ihr Leben zu retten, und manchen ist es auch gelungen. Aber es sind nicht viele.
Ein Fall ist mir besonders erinnerlich. Es war ein junger Student aus dem Westen, der bei einem Jägerbataillon gedient hatte, aber infolge seiner scharfen Kritik am Nazismus denunziert worden war. Ein stets frohgemuter Bursch, den ich bei den Fliegeralarmen einigemal traf. Seine ständige Redensart, mit der er jeden begrüßte, war: „Na, noch nicht hingerichtet? Kein Grund, sich beleidigt zu fühlen. Adolf sorgt dafür, daß jeder an die Reihe kommt.“
Als er sah, daß seine Verurteilung zum Tode unvermeid- lich erschien, spielte er eines Tages„verrückt“. Es war für uns etwas anstrengend, da seine Zelle neben der unsrigen lag und wir den ganzen Radau, den er dort anstellte, mit anhören mußten. Er sang, johlte und pfiff, schlug das ganze Inventar in seiner Zelle kurz und klein, schmiß seinen Kot an die Decke und benahm sich trotz aller Strafen, die er sofort bekam, wie Entziehung einzel- ner Essensportionen, Verdunkelung der Zelle, Sperrung des Ausganges, immer weiter verrückt, bis man ihn schließlich in die Abteilung„Klaps‘‘ ablieferte. Ich habe ihn nicht wiedergesehen.
Unter dieser mannigfachen Unruhe des Tages ergibt sich recht eigentlich der spätere Nachmittag als die Zeit, bei der man auch innerlich bereit ist, ernsthaftere Gespräche
158


