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ZWISCHEN TOD UND LEBEN
ist klar, daß die Gefangenen von dieser Möglichkeit aus- giebigst Gebrauch machen. In dem Krankenrevier ist infolgedessen ein solcher Andrang, daß man jedesmal stundenlang warten muß. Und da die Gefängnisleitung nicht neben jeden Gefangenen einen Wächter stellen kann, ergibt sich hier die Möglichkeit langer Unterhal- tungen, eingehender Erörterungen der politischen und der Kriegslage und Austausch von Informationen jeg- licher Art. Da ich durch einen Sturz vom Pferde einen schlecht verheilten Knochenbruch in der rechten Schul- ter habe, ergibt sich für mich immer wieder die Gelegen- heit zu ärztlichen Konsultationen, Röntgenaufnahmen und spezialärztlichen Prüfungen.
Aber noch eine andere Möglichkeit besteht, die unter Umständen Rettung aus der Todesgefahr bedeuten kann. Das ist die sogenannte Abteilung„Klaps“‘ des Professors M. Wenn es einem Gefangenen gelingt, geistesgestört aufzutreten- vielleicht ist er es auch, man kann es ja nicht wissen!-, dann wird er zur Untersuchung in die Krankenabteilung zu Professor M. H. gebracht. Während aber der Arzt im Gefängnisrevier als übelwollender Scharfmacher auftritt, ist Professor M.H. ein Mann, der von seiner Abteilung aus zu retten versucht, was irgend zu retten ist. Der große Vorteil ist nun, daß die Unter- suchung zwölf Wochen lang dauert, man also zwölf Wochen frei von der Katakombe, frei von der Voll- streckungsgefahr ist. Alle Todesurteile werden während dieser Zeit ausgesetzt. Gelingt es dem Professor nachzu- weisen, daß der Betreffende zeitweilig geistesgestört ist,
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