FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN
Sein oder Nichtsein steht. Jeder Kartengruß, jedes Päck- chen ist eine Botschaft aus einer anderen Welt, der Welt
der Freien. Umso größer ist die Freude, die alle diese
Dinge auslösen.
Das Buch des Pfarrers, das Bekenntnis eines innigen, christusgläubigen Menschen zum Leben und zur Welt, begleitet mich immer weiter auf dem Wege der Demut und Ehrfurcht, der allein dem Menschen in seiner Not Hilfe geben kann in dieser Periode zwischen Tod und Leben, wo tiefste Niedergeschlagenheit und wilde Hoff- nung miteinander wechseln, während die Menschen mei- ner Umgebung um den Sinn des Lebens ringen, während der Geist mörderischen Unheils umgeht und das Leben dieser Menschen bedroht und vernichtet. So bin ich innerlich schon weit mehr gefestigt, als mir die Wache mitteilt, daß ich mit Pfarrer W. in eine Zelle gelegt werde. Ich habe ihn ja schon einmal im Luftschutzkeller gesehen, aber als ich inm nun von Angesicht zu Ange- sicht gegenüberstehe, die fast mystische Tiefe empfinde, die in seinem Blick ruht, ist der Eindruck doch verschie- den von dem Bild, das ich mir von ihm gemacht habe. Seine Persönlichkeit wirkt gewissenhaft und überzeu- gend, aber er ist ein Mensch, der zum Leiden bestimmt zu sein scheint. Ein Märtyrertyp, der sein Schicksal mit einer gewissen Leidenschaft zu tragen bereit ist. Er hat das absolute Bewußtsein seines nahen Todes und bereitet sich jeden Abend in einer Andacht, die er mit mir hält, innerlich vor. Jeden Abend verrichtet er kniend sein
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