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Fern und ewig leuchtet Frieden : ein Erlebnis aus dem Zeitgeschehen nach Berichten sowie Aufzeichnungen eines zum Tode Verurteilten / dargestellt von Willo Wenger
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FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN

sitzt als eine merkwürdige Ergänzung ein schmächtiger, blasser, jüngerer Mensch mit weichlichem Gesicht bei uns, der sich überlegen gibt, ohne durch seine übrigen Eigenschaften irgendwie aufzufallen, und den ich noch nicht kenne.

Professor K. ist sofort mitten im Thema. Etwas resigniert schildert er, wie ein größerer Kreis gebildeter Menschen sich zum Ziele gesetzt hatte, eine Verständigung mit Rußland herbeizuführen, an deren Spitze Schulze-Boysen stand.

Wir haben damals mit allen Mitteln versucht, diesen neuen Wahnsinn des Krieges mit Rußland zu hinter- treiben. Es war alles vergeblich. Der Kreis war zu groß, der um die Dinge wußte. Man war vielleicht auch nicht vorsichtig genug.

Der Rundfunk gibt seine Meldungen. Die Flugzeuge fliegen vorläufig noch im Norden vorbei. Die Posten vom Wachregiment an den Türen dösen vor sich hin und scheinen uns vier in unserer Ecke nicht zu beachten Professor K. hat sich einen Augenblick umgesehen, dann fährt er fort:Aber trotzdem mußten wir unseren Miß- erfolg im Interesse des Friedens blutig bezahlen. Es sind ım ganzen über dreihundert Personen in diesem Zusam- menhang hingerichtet worden. Darunter über vierzig Offiziere und viele Frauen. Die Tatsache, daß man im Hause eines der Hauptbelasteten verkehrt hatte, genügte für das Todesurteil. Mir selbst konnte man nur nach- weisen, daß ich einmal bei einem Bekannten von Herrn Schulze-Boysen Tee getrunken hatte, und zwar konnte

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