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Fern und ewig leuchtet Frieden : ein Erlebnis aus dem Zeitgeschehen nach Berichten sowie Aufzeichnungen eines zum Tode Verurteilten / dargestellt von Willo Wenger
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FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN

daß wir uns erst begrüßt haben. Ich berichte ihm kurz den Sachverhalt.Dann ist ja aus dieser Sache keine neue Schwierigkeit für Sie zu erwarten! Er atmet erleichtert auf.Über Ihren Prozeß läßt sich auch nichts Endgültiges sagen, aber bestätigt ist das Urteil noch nicht. Es besteht wenig Neigung, wie ich vertraulich festgestellt habe, das Urteil zu bestätigen, aber anderer- seits verschärfen sich die politischen Einflüsse auf die Militärgerichtsbarkeit immer mehr, und angesichts dieser Tatsache hat niemand den Mut, eine Aufhebung des Urteils vorzuschlagen.

Wir besprechen eingehend die Möglichkeiten, welche Wege noch eingeschaltet werden können. Trotz aller düsteren Unsicherheit meiner Lage läßt mein Anwalt sich nicht von seinem früheren Optimismus abbringen Der Weg ist noch weit und schwer, aber wir werden es schaffen. Mit diesen Worten verabschiedet er sich. Während nun in meinem Innern ein kleines. Pflänzleiv der Hoffnung schüchtern zu sprießen beginnt, scheinen die äußeren Ereignisse diese Entwicklung Lügen zu strafen. Erbarmungslos mäht der Tod in unseren Reihen, und die Atmosphäre des Todes ist es, die weiterhin unser Denken bestimmt. Ich kann sie nicht alle schildern, die täglich aus unseren Reihen gerissen werden, die Kame- raden, welche täglich fehlen, wenn wir, an den Gitter- stäben unseres kleinen Fensters hängend, auf den Gefängnishof hinunterstarren. Aber die Schicksale, die in meiner nächsten Nähe sich abspielen, muß ich mit- erleben, ob ich will oder nicht. Irgendwie tragen sie

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