FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN
treuen und selbstlosen Freunde. Er scheut für seine Per- son keine Gefahr.“
Das klingt alles so phantastisch, daß ich mich nicht ent- halten kann zu widersprechen.„Ich kann mir das nicht so recht vorstellen“, werfe ich ein.„Wie kann ein Geist- licher Einfluß auf die allmächtige Staatsgewalt haben, verkörpert uns gegenüber durch einen Richterstand, der in knechtischer Abhängigkeit von dieser Staatsführung steht?“
„Er verfügt über eine Lebenserfahrung und Menschen- kenntnis, die zweifelsohne weit über das Normale hinausgeht. Er kennt die Welt und ist ein wesent- licher Faktor im evangelischen Leben der Reichshaupt- stadt. Man hat den Eindruck, daß an der Unwider- stehlichkeit seiner christlichen Überzeugung viele Ge- meinheiten zerbrechen, die hier geplant werden. Selbst die Gefängnismannschaften haben eine ehrfurchtsvolle Scheu vor seiner geistlichen Persönlichkeit.
Außerdem weiß er in dem Fuchsbau der hiesigen Ministerien sehr gut Bescheid. Er weiß genau, welche Kräfte und Personen er einsetzen muß, wenn er der Zweckjustiz seine wehrlosen Opfer entreißen will. Du wirst ihn ja sicher bald kennenlernen, denn er kommt bestimmt hierher, wenn er weiß, daß Du neu hier bist. Von den Wächtern wagt keiner, sich etwas herauszuneh- men, denn sie wissen, daß unser Pfarrer sofort zum Kom- mandanten geht. Und der ist ein Mann, der keine Schwierigkeiten haben will, er fürchtet die Zusammen- rottung der Gefangenen ebenso sehr wie Übergriffe der
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