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Fern und ewig leuchtet Frieden : ein Erlebnis aus dem Zeitgeschehen nach Berichten sowie Aufzeichnungen eines zum Tode Verurteilten / dargestellt von Willo Wenger
Entstehung
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Normale

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ZWISCHEN TOD UND LEBEN

Wärter oder andere Unannehmlichkeiten. Sein zweites Wort ist: ‚Sind Sie vorsichtig!

Er fürchtet die Vorgesetzten und er fürchtet die Selbst- morde, wenn die Gefangenen zu hart angefaßt werden Der Pfarrer behauptet, daß der Kommandant ein gütiger Mensch ist, der, wenn er nichts zu fürchten hätte, das ganze Gefängnis auflösen und alle Insassen nach Hause schicken würde. Und er läßt unseren Pfarrer gewähren, wenn dieser, was er natürlich tut, die volle Verantwor- tung für seine Maßnahmen übernimmt.

Aber ich will Dir erzählen, wie der Pfarrer es fertig- gebracht hat, hier im Gefängnis für die Gefangenen ein Weihnachtsfest durchzuführen. Er kam am Heiligen Abend mit drei großen Koffern mit Geschenken für die Gefangenen, die er mit Geldspenden gekauft hatte. Erst wollte ihn die Wache nicht herein lassen und die Koffer untersuchen; aber er hat bei aller Freundlichkeit eine Art, den Wachen gegenüber bestimmt aufzutreten, die jede Gegenrede verschwinden läßt. Und er geht ohne Wärter mit einem eigenen Patentschlüssel für alle Zellen in diese hinein zu den Gefangenen. Jeder Gefangene bekam ein paar Kleinigkeiten: Zigaretten, Gebäck, einige kleine Bücher waren dabei, Schreibpapier, Spiele und vor allem für jede Zelle ein paar Tannenzweige und einige kleine Kerzen. Als der Pfarrer seinen Rundgang

beendet hatte, wurde in einer Zelle das Lied von der

Heiligen Nacht angestimmt, und dann sang das ganze Gefängnis durch alle Stockwerke das Lied mit. Alle Wärter wußten, daß es gegen die Bestimmung war, was

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