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Fern und ewig leuchtet Frieden : ein Erlebnis aus dem Zeitgeschehen nach Berichten sowie Aufzeichnungen eines zum Tode Verurteilten / dargestellt von Willo Wenger
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FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN

in die Tasche. Ich schiebe die Partisanenkarte rasch in das an einer Stelle aufgetrennte Mützenfutter. Die Karte zu vernichten, getraue ich mich nicht mehr. Dann spricht der Pfarrer tröstende und ruhige Abschiedsworte. Er warnt vor jeder unüberlegten Handlung.

,, Die beiden Offiziere, die Sie begleiten, haben Befehl, beim geringsten Verdacht eines Fluchtversuches von der Schußwaffe Gebrauch zu machen."- Es folgen Worte des Trostes und der Weihe für den bevorstehenden Flug, der für mich die Rückkehr in die Heimat bedeutet. Der Kommandant kommt zurück, um mich abzuholen. Ich schüttle dem Pfarrer wortlos die Hand. Sein Blick sagt mir, daß er meine nichtssagenden Dankesworte richtig versteht.

Ich werde unter Aufsicht von zwei bewaffneten Wächtern in das Kommandantenzimmer gebracht. Ich bemühe mich, möglichst unbefangen aufzutreten. Wird man meine Partisanenkarte finden?- Vor mir stehen zwei Offiziere. Ein junger Flak- Hauptmann und ein älterer Reserveoffizier, beide mit abweisenden, kalten Gesich­tern. Die beiden scheinen über ihren Auftrag keineswegs entzückt. Man kann es ihnen eigentlich nicht übelneh­men. Sie wollten auf Urlaub nach Hause fahren und bekommen jetzt den unangenehmen Auftrag, einen zum Tode Verurteilten in Berlin abzuliefern. Der Komman­dant verwarnt mich nochmal, daß bei jedem Fluchtver­such von der Waffe Gebrauch gemacht wird.

Nun werden vor den Augen der beiden ich selbst und der Koffer genauestens untersucht, alle meine Papiere

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