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Fern und ewig leuchtet Frieden : ein Erlebnis aus dem Zeitgeschehen nach Berichten sowie Aufzeichnungen eines zum Tode Verurteilten / dargestellt von Willo Wenger
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FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN

einen Augenblick, dann schlägt er mit der Hand durch die Luft.

,, Der Mann ist in Ordnung, aber Du darfst mit keinem anderen als mit ihm und Ira sprechen."-

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, Wer ist Ira", frage ich zurück. Er lächelt einen Augen­blick spitzbübisch: ,, Ira zieht das ganze Gefängnis an der Nase. Sie ist die einzige russische Küchenhilfe hier in diesem Männerkloster. Du wirst schon selber sehen." Dann werden wir wieder getrennt.

Ich beschließe, mit dem blonden Harry zu sprechen. Aber er kommt erst zwei Tage später. Was dieser Zeitverlust für mein weiteres Schicksal bedeuten sollte, war mir damals nicht klar; ich merke es erst, als es bereits zu spät ist.

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Meine Gedanken sind jetzt fast nur noch mit den Flucht­plänen beschäftigt. Ich will auf jeden Fall den Versuch machen, mit Hilfe der Partisanen aus dem Gefängnis herauszukommen. Wenn ich aber früher abtansportiert werde, als sich das verwirklichen läßt, muß ich ver­suchen, bei dem Transport zu entfliehen.

Endlich steht der blonde Harry wieder in der Tür. Seine schläfrigen Augen blicken uninteressiert und ausdrucks­los, als er mich zum Rasieren einseift. Ein Glück für mich, fährt es mir durch den Sinn, daß ich mich nach dem Todesurteil nicht selbst rasieren darf; nur so kann

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