DER PROZESS
den kleinen Tisch und den winzigen Hocker, die noch in der Zelle stehen, beiseite. Nun kann ich wenigstens zwei Schritte hin und her gehen- so weit, wie die Pritsche lang ist, welche die eine Wand der Zelle voll ausfüllt; denn die Breite der Zelle ist noch geringer als ihre Länge. Zwei Schritte hin, zwei Schritte her.- Ich gebe es auf, weil ich jedesmal gegen den Tisch stoße. Die feuchte Kälte dringt mir bis ins Mark, und ich krieche zähne- klappernd wieder auf meinen schmutzigen Strohsack. Endlich ist es 7 Uhr. Die Wache kommt, entzündet das trübe elektrische Licht, so daß an der verwahrlosten Steinwand die Wanzen aufgeregt ihren Ritzen zustreben. Das schwere Türschloß schnappt auf. Durch ein paar dürftig erleuchtete Gänge werden wir zum Waschen geführt. Ein langer, schmaler Raum, in dessen Mitte ein niedriges Gestell mit vier Waschbecken steht. An den Wänden entlang sind Löcher im Boden, die als Aborte dienen. Während die eine Hälfte sich wäscht, benutzt die andere Hälfte die Aborte. Ein unbeschreiblicher Gestank vermehrt das Demütigende dieses ganzen Vorganges. Wirklich, ein Luxushotel war dieses frühere GPU-Ge- fängnis in Minsk nicht!
Während wir uns, trotz der Kälte, mit nacktem Ober- körper waschen und je zu zehn Mann mit einem Hand- tuch abtrocknen, werden nach alter Gefängnissitte rasch einige Nachrichten im Flüstertone ausgetauscht. Zigaret- ten und kurze Mitteilungen auf Zettelchen wechseln den Besitzer. Der Posten mit Stahlhelm und umgeschnallter
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