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mir alles furchtbar gleichgültig wurde. Mochte kommen, was wollte, es war mir einfach unmöglich, so unmenschlich zu sein und mit den Kranken zu marschieren. Ich gab also den Befehl: Alles hinsitzen. Und dort saßen nun die Unglücklichen auf dem Appellplatz.

Die Folge war, daß ich strafversetzt wurde, und zwar kam ich zu einem Strafkommando nach Feldafing am Starnberger See , um dort Stubenältester zu sein. Ein halbes Jahr später kehrte ich halbverhungert in das KZ. Dachau zurück; und nur der unausrottbaren Kameradschaft der politischen Gefangenen habe ich es zu verdanken, daß ich allen Strapazen und Leiden zum Trotz wieder auf die Beine kam. Meine Kameraden haben mich nicht im Stich gelassen, sondern mir geholfen,.daß ich körperlich wieder zu Kräften kam.

Die gleiche Kameradschaft durfte ich auch erfahren, als ich bald, darauf zum Kapo ernannt wurde. Ich hatte damals auch einige Juden in meinem Kommando, unter denen sich auch ein alter Jude befand, der an geschwollenen Wasserfüßen litt, die bereits in allen Farben leuchteten. Diesen Juden beschäftigte ich damit, daß er vor einem Brett saß und alte Nägel gerade klopfte.

Das Unglück wollte es, daß der SS.-Oberscharführer Vo- gelsberger, den ich bereits charakterisiert habe, mein Kom- mando kontrollierte und den Juden sitzend bei der leichten Ar- beit fand. Kaum hatte er ihn erblickt, da brüllte Vogelsberger durch das Gebiet meines Arbeitskommandos:Kapo! Und im Marsch-Marsch mußte ich zwihm eilen und mich in mili- tärischer Haltung vor ihm aufpflanzen.

Er schrie mich an:Was macht der Jude hier? Ich sagte ihm, der Mann sei krank und leide an geschwollenen Füßen, weil er Wasser habe, ich könne ihn mit nichts beschäftigen, als mit dieser leichten Arbeit.

Darauf schrie er mich wieder an:Du Judenfreund! Du Judenhund, warte, Dir will ich helfen! Darauf notierte er sich meine Nummer. Es war die Gefangenen-Nummer 537, sie war so niedrig, weil ich einer von den ältesten Insassen des Lagers war. Natürlich war eine Strafmeldung fällig.

Als ich zur Strafvernehmung mußte, fragte mich Sturmführer Hoffmann:Hast Du in Deinem Kommando einen Juden mit Nägelgeradeklopfen beschäftigt?

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