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Die letzten Tage des Warschauer Gettos / Zivia Lubetkin
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Unterstützung des Jüdischen Kampfbundes bestimm­

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ter Pole sagten uns, sie würden uns am Morgen holen. Wir erzählten ihnen, daß zwei unserer Kameraden zurückgegangen seien, um die übrigen zu holen; wir wüßten nicht, wann die zurückkämen, und würden uns nicht von der Stelle rühren, bevor sie nicht wieder da wären. Wir machten uns Sorgen, daß, wenn wir erst einmal hier herausgestiegen waren, es nicht mehr möglich sein könnte, die anderen herauszuholen, da die Deutschen bestimmt den Ausgang entdecken und sorgfältig beobachten würden.

Über uns ging das Leben auf der Straße wie ge­wohnt weiter. Wir lauschten auf den Lärm der Straße und hörten die fröhlichen Laute polnischer Kinder, die auf der Straße spielten.

Boten,

Am Morgen kamen unsere beiden Schlamek und Yorek, mit leidverzerrten Gesichtern zurück. Alle in das Getto führenden Kanalausgänge waren verrammelt.

In unserem Kummer beteten wir, es möge doch alles zu Ende gehen. Die körperlichen und geisti­gen Kräfte versiegten. Dann, um 10 Uhr, hörten. wir ein Geräusch, und bald darauf war der Tunnel von einem Licht erfüllt, so hell, wie wir es seit vielen Tagen nicht mehr gesehen hatten. Wir waren alle davon überzeugt, daß die Deutschen unser Versteck aufgestöbert hatten, und rannten weiter zurück in die Kanäle. Aber es waren unsere

Kameraden, die gekommen waren, uns zu holen.

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