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Junge Christen hinter Stacheldraht : Erlebnisse im Gefangenenlager für Jugendliche / Oskar Schnetter
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Chriftus erobert junge Herzen

Heute sind es fast alle Besucher, die nach der Jugendstunde nicht an ihren Lagerplatz zurückgehen, sondern mir zu meinem. Zelt folgen. Diesen Weg vom Altarplag oder von unserem ,, Versammlungsraum" brauche ich nie allein zu machen, denn es gibt ja bei den Kameraden soviel Fragen und Wünsche. Da ich Heute vom Zelt des Lager- Ober- Pfarrers eine ganze Aktentasche voll Eßlöffel mitgebracht habe, kann ich großzügig ausgeben. Aber siehe da, selbst die volle Aktentasche reicht nicht aus. Aber die ausgegebenen Löffel lösen mit großer Freude ein zurecht­geschnigtes Stück Holz ab, oder einen aus einem Blechdeckel zurechtgebogenen Löffelersaß, der zwar besser ist als das ständige Trinken des Essens aus Büchsen. Aber mit einem Löffel schmeckt es half doch besser. Nach dieser Löffelausgabe ist die um mich herumstehende Schar schon wesentlich kleiner geworden. Einem Kameraden kann ich Unterwäsche geben, denn sein einziges Hemd hat man ihm gestohlen, als er es zum Trocknen auslegte. Einer kleinen Schar kann ich die Lesewünsche erfüllen und die zurückgegebenen Hefte und Bücher austauschen. So ist es mir immer eine Freude, wenn die ausgestreckten Hände gefüllt werden können.

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Noch größer ist meine Freude über die Herzen, die sich noch mehr öffnen als die ausgestreckten Hände, die nach Erfüllung und Beantwortung schreien. So ist auch heute eine Schar von solchen Kameraden zurückgeblieben, deren Herz wünscht". Ich schüttle ihnen, wie all den anderen, die Hand und sage: Du kommst um 6 Uhr einmal zu mir", zum anderen: Du um 127 Uhr" und so geht es weiter, bis alle Zeit zwischen den ein­zelnen Bibel-, Jungen oder Singstunden aufgeteilt ist.

Und dann gehen wir zu zweit auf unserem Altarplag auf und ab. Manches Gespräch erlauschen die wenig stehengeblie­

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