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Junge Christen hinter Stacheldraht : Erlebnisse im Gefangenenlager für Jugendliche / Oskar Schnetter
Entstehung
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Das alte Bibelwort

wird unter jungen Menschen neu gehört

Wieder einmal regnet es was nur vom Himmel herunter will. Im Lager hockt und kauert alles in den Erdlöchern. 4, 5 und auch 6 Mann suchen Schuß unter einer Zeltbahn. Andere bauen sich von einem Mantel, oder einer Decke, oder einem verbrauchten Verpflegungssack ein Stückchen Dach", um nicht direkt dem Regen ausgesetzt zu sein. Aber es gibt auch solche, die auf dem blanken Ackerboden liegen bleiben. Ihnen ist alles egal, auch die Nässe, die doch wieder einmal von der Sonne aufgesogen wird. Im Lager herumlaufen sieht man nur wenige, denn wer hätte noch so wasserdichtes Schuhzeug? Wer wollte in dem fußtiefen Lehm herumstampfen? Dh, diese Regentage, keiner wird sie vergessen!

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Ich size zum erstenmal bei diesem Regen in meinem neu errichteten Zelt, das den Namen ,, Evangel. Pfarrhaus" hat. In wenig Stunden war ein Loch ausgehoben, die Zeltbahnen gespannt, sogar Tisch und Bank aus Kistenholz eingebaut. Die erdige Wand ist mit Sackleinen bespannt, darauf die Jahres­losung in Postkartenformat, sodaß der kleine Raum wie ein Kirchenraum wirkt. Jeder, der seinen Fuß hereinseßt, bleibt wie gebannt einen Augenblick stehen. Auf seinem Gesicht kann man ein im Herzen gesprochenes ahh lesen, manchesmal bringen es die Lippen auch laut heraus. Dann ist auch ein Bücherbord entstanden, das allerdings die meiste Zeit leer ist. Die wenigen Bücher und Schriften reichen bei weitem nicht aus, denn der Lesehunger der Jungen ist groß. Heute liegt noch eine große, dicke Bibel darauf. Sie wird als Altarbibel in einer der um­liegenden Kirchen ihren Dienst getan haben, denn in diesen Dör­fern sammelte man für unser Lager Bibeln, Gesangbücher und

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